Wenn keine Angehörigen ermittelt werden, springt die Verwaltung ein

Gemeinde trägt Bestattung

Der Tod einer Bewohnerin blieb lange unentdeckt: Kürzlich wurde die skelettierte Leiche einer 87-jährigen Frau in ihrer Wohnung in dem Mehrfamilienhaus in Lohfelden entdeckt. Foto:  Pflüger-Scherb

Lohfelden. Wenn bei einer verstorbenen Person keine Angehörigen zu ermitteln sind, dann übernehme die Gemeinde die Beerdigung, sagt Kai Hast, Leiter der Hauptverwaltung der Gemeinde Lohfelden. Da im Fall der 87-jährigen Frau, deren skelettierte Leiche Ende November in ihrer Wohnung entdeckt wurde, keine Verwandten gefunden worden seien, werde das Begräbnis von der Gemeinde auf eigene Kosten veranlasst.

Wann die sterblichen Überreste der Seniorin bestattet werden, stehe noch nicht fest. Es gebe noch keinen Termin, so eine Mitarbeiterin der Friedhofsverwaltung. Die Beerdigung werde wohl aber erst nach Weihnachten stattfinden.

Im Mai 2014 zuletzt gesehen

Wie lange die Frau genau tot ist, kann die Polizei auch nur schätzen. „Wir gehen von 15 bis 18 Monaten aus“, sagt Kriminaloberkommissar Horst Cäsa. Das passe auch zu der Einschätzung des Rechtsmediziners. Cäsa sprach auch mit einem Nachbarn in dem Mehrfamilienhaus. Der meinte, er habe die Seniorin, die im ersten Obergeschoss lebte, zuletzt im Mai 2014 gesehen. In dem Mehrfamilienhaus gebe es keinerlei Kontakt unter den Nachbarn, sagt Cäsa. „Ansonsten könnte so etwas nicht passieren.“ Da Miete und Nebenkosten regelmäßig von dem Konto der Frau abgebucht worden seien, habe der Vermieter wohl auch keine Unregelmäßigkeiten festgestellt. Bei welchem Kreditinstitut die Frau ihr Konto hatte, darüber gibt die Polizei aus Datenschutzgründen keine Auskunft.

Nach Auskunft von Michael Krath, Sprecher der Kasseler Sparkasse, hängt es von dem persönlichen Kontakt zwischen dem Kunden und Berater ab, ob Unregelmäßigkeiten auffallen. Wenn ein Kunde nie persönlich in einer Geschäftsstelle erschienen sei und es regelmäßig Ein- und Ausgänge – wie in dem besagten Fall – auf dem Konto gebe, laufe das einfach so weiter. Viele ältere Menschen gingen ja seit Jahrzehnten regelmäßig zur Bank. Wenn solche Kunden plötztlich nicht mehr auftauchten, sei das natürlich etwas anderes, so Krath.

Laut Cäsa kommt es schätzungsweise 20 Mal pro Jahr vor, dass ein Mensch über mehrere Wochen tot in einer Wohnung liegt. In den meisten Fällen würden die Leichen aber im Verwesungszustand entdeckt.

Meistens handele es sich um alleinstehende Männer, die völlig zurückgezogen lebten und die auch niemanden in ihre Wohnung ließen, weil diese oft verwahrlost sei.

Archivfotos:  nh

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.