Mindestabstand von 300 Metern zwischen zwei Hallen

Gesetz zum Schutz von Süchtigen: Kasseler Spielhallen droht Schließung

Kassel. Mehr als 20 Millionen Euro im Jahr werden an Glücksspielautomaten in der Stadt Kassel verzockt. Die Einnahmen der Branche haben sich seit 2006 verdoppelt.

Das Glück könnte einige Spielhallenbetreiber aber bald verlassen. Im kommenden Jahr wird eine Gesetzesänderung wirksam, die dem Schutz von Spielsüchtigen dienen soll. 

Sie schreibt einen Mindestabstand von 300 Metern zwischen zwei Spielhallen vor. Außerdem sind künftig keine Mehrfachkonzessionen erlaubt. Das bedeutet, dass in einer Spielhalle nur noch maximal zwölf Geräte erlaubt sind. Zum Juli 2017 läuft die Übergangsfrist ab. „Wir befürchten, dass es dann zu Schließungen kommt“, sagt Michael Wollenhaupt, Vorsitzender des Hessischen Münzautomaten-Verbands (Kassel). Er rechnet damit, dass betroffene Unternehmer sich dagegen auf dem Klageweg wehren werden. Vor allem am Hauptbahnhof und am Stern gibt es viele Spielhallen. Diese Ballung würde dem neuen Gesetz widersprechen.

In Kassel gibt es nach Angaben der Stadtverwaltung 32 Spielhallen-Standorte mit insgesamt 63 Konzessionen. Wie viele davon nach der neuen Regelung nicht mehr zulässig wären, war auf Anfrage nicht zu erfahren. Auch nach der Übergangsfrist liege es im Ermessen von Kommunen, für bestehende Spielhallen Ausnahmen zuzulassen, sagte Stadtsprecher Sascha Stiebing. Ob solche Ausnahmen in Betracht kämen, müsse für jeden Einzelfall entschieden werden. Die Prüfung laufe noch.

Die Suchtberatung des Diakonischen Werks in Kassel fordert eine strenge Umsetzung des Gesetzes zum Schutz der Spieler. Vorsichtigen Schätzungen zufolge gibt es allein in Kassel 1000 Spielsüchtige und im Landkreis vermutlich nochmal ebenso viel, sagt Andreas Fux, Fachberater für Glücksspielsucht. Insgesamt gibt es in Kassel 840 Geldspielgeräte: 633 in Spielhallen und 217 in der Gastronomie. Das sind 20 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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