Gesundheitsamt veröffentlicht Infektionszahlen

Grippe-Welle: Impfstoff ist knapp - Auch Noroviren haben jetzt Saison

Schutz vor schwerer Durchfallerkrankung: Für Säuglinge und Kleinkinder kann eine Infektion mit Rotaviren gefährlich werden. Die Ständige Impfkommission empfiehlt für Säuglinge ab dem Alter von 6 Wochen die Schluckimpfung gegen Rotaviren. Sie sollte möglichst bis zum Alter von 12 Wochen begonnen werden. Foto:  dpa

Kassel. Vereinzelt hat Dr. Klaus Meyer in den vergangenen Tagen noch gegen Grippe geimpft. Es seien jetzt aber nur noch wenige Impfdosen zu bekommen, weiß er auch von Apotheken.

Der Allgemeinmediziner, der Grippefälle an das Robert-Koch-Institut meldet, hat aktuell den Eindruck, dass die Fälle mit Infektionskrankheiten in dieser Woche etwas weniger geworden sind. Darunter auch gelegentlich Magen-Darm-Infekte und andere Atemwegsviren, die mitunter einen lang anhaltenden Husten verursachen.

Bei Kindern gebe es wenig Grippe-Fälle, sagt Dr. Gerhard Bleckmann, Kinder- und Jugendarzt in Baunatal. Doch viele Kinder „schlagen sich immer noch mit Viren herum, die die Hand-Fuß-Mund-Krankheit verursachen.“ Auch litten derzeit viele Kinder unter spastischen Bronchitis-Infekten, die mitunter auch zu Lungenentzündungen führten.

Neben Grippeviren haben derzeit auch Noroviren, die Brech-Durchfall-Erkrankungen auslösen, Saison. In der Stadt wurden dem Gesundheitsamt bislang 28 Fälle gemeldet, im Landkreis waren es schon 50. Im vergangenen Jahr gab es in Kassel insgesamt 179 Fälle, im Landkreis 173.

Akute Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes sind in der Region Kassel übrigens die häufigsten meldepflichtigen Infektionskrankheiten. Im vergangenen Jahr seien Magen-Darm-Infektionen, die auf Noroviren, Rotaviren oder Campylobacter zurückzuführen sind, zusammen mit der Grippe die vier häufigsten Infektionskrankheiten gewesen, sagt die Leiterin des Gesundheitsamtes Region Kassel, Dr. Karin Müller.

Vor allem bei Infektionen mit Rotaviren und Campylobacter-Bakterien sei in den vergangenen fünf Jahren ein kontinuierlicher Aufwärtstrend zu erkennen. Eine der möglichen Ursachen für die zunehmenden Diagnosen dieser Erkrankungen könne auch der Zuzug von Flüchtlingen sein. Richtig schwerwiegende Infektionskrankheiten seien bei den Flüchtlingen bislang glücklicherweise nicht festgestellt worden. Die mit Abstand am häufigsten bei Flüchtlingen diagnostizierten Infektionskrankheiten sind laut dem Robert-Koch-Institut Windpocken, Tuberkulose, Hepatitis B, Rotaviren und Noroviren.

Auch die zuvor rückläufige Zahl der Tuberkulose-Fälle steige in Stadt und Landkreis seit 2013 wieder an. Müller: „Im hessenweiten Vergleich ist die Stadt Kassel die Kommune mit der zweithöchsten Neuerkrankungsrate bei der Tuberkulose.“ Der Landkreis Kassel nehme hier eine mittlere Position ein. Im vergangenen Jahr waren es in der Stadt 41 Tuberkulose-Fälle, im Vorjahr 15. Im Landkreis zählte man 17 Erkrankungen (2014: 11).

Auch Infektionskrankheiten, gegen die es eine allgemeine Impfempfehlung gibt, kommen bei uns noch immer vor. So gab es im vergangenen Jahr in Stadt und Landkreis insgesamt drei Masernfälle, 42 Erkrankungen mit Keuchhusten 48 gemeldete Windpocken-Fälle sowie drei Infektionen mit Mumps.

Dies aktuellen Infektionszahlen sind seit kurzem auf der Internet-Seite des Gesundheitsamtes unter auch für interessierte Bürger einzusehen.

Hintergrund: Grippeimpfung wäre noch möglich

Eine Virsugrippe ist keine einfache Erkältung, sondern eine ernstzunehmende Erkrankung. Insbesondere chronisch Kranke, Menschen ab 60 Jahre, Schwangere und medizinisches Personal sollten sich laut offizieller Empfehlung des Robert-Koch-Instituts impfen lassen.

Zwar sind Oktober und November die besten Monate für eine Schutzimpfung, doch auch eine spätere Impfung vor Einsetzen oder zu Beginn der Grippewelle kann laut Experten noch sinnvoll sein. Es dauert etwa 10 bis 14 Tage bis der Impfschutz vollständig aufgebaut ist.

Eine Impfung biete keinen hundertprozentigen Schutz, erläutert Gesundheitsamtsleiterin Dr. Karin Müller. Das liegt auch daran, dass sich die Virenstämme, auf die die Impfstoffe jährlich neu angepasst werden, ständig verändern. Deshalb sind vor allem für gefährdete Personen auch jährliche Grippe-Impfungen sinnvoll. Laut Arbeitsgemeinschaft Influenza zeigt der aktuelle Impfstoff gegen die zirkulierenden Virustypen aber eine gute Wirkung.

Hintergrund: Tipps zum Vorbeugen und Auskurieren

Im Unterschied zu einem grippalen Infekt setzt bei einer echten Grippe plötzlich ein schweres Krankheitsgefühl ein, meist mit hohem Fieber.

Ein grippaler Infekt beginnt dagegen in der Regel allmählich, oft mit einem Kratzen im Hals, häufig gefolgt von Husten und Schnupfen.

Eine rechtzeitige Impfung am besten bereits im Herbst kann vor der Influenza-Infektion und deren Folgen schützen. Wichtig ist auch eine gründliche Händehygiene. Auch sollte man während der Grippesaison möglichst größere Menschenansammlungen meiden.

Erkrankte sollte sich zuhause gut auskurieren und bei schweren Symptomen wie Schmerzen und Atemnot den Arzt aufsuchen. Auch nach der akuten Erkrankung ist Schonung angesagt, um schlimme Folgeschäden einer Grippe wie Herzmuskelerkrankungen zu vermeiden.

Um Ansteckungen zu verhindern, sollten Betroffene Einwegtaschentücher verwenden, in die Armbeuge husten, engen Kontakt zu anderen Menschen möglichst vermeiden und die Wohnung regelmäßig gut lüften.

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