Schweinegrippe breitet sich derzeit aus – 35-Jähriger gestorben

Grippewelle rollt: Erster Todesfall in der Region

Kassel. Die Grippewelle ist in Stadt und Landkreis Kassel angekommen und hat bereits ein Opfer gefordert: Ein 35-jähriger Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis ist in der vergangenen Woche in einem Kasseler Krankenhaus an den Folgen der Influenza gestorben.

Er hatte sich mit dem in dieser Grippesaison bislang vornehmlich grassierenden A(H1N1)-Virus angesteckt, das unter dem Beinamen „Schweinegrippe“ bekannt wurde. Bis zur vergangenen Woche wurden bundesweit 37 Grippe-Todesfälle gemeldet.

Seit der vierten Kalenderwoche stiegen die gemeldeten Erkrankungszahlen in unserer Region deutlich, wie auf der Internetseite der Arbeitsgemeinschaft Influenza dargestellt wird. Die aktuelle Grippewelle treffe nach ersten Erkenntnissen vornehmlich Menschen mittlerer Altersgruppen zwischen 18 und 45 Jahren, erläutert die Leiterin des Gesundheitsamtes Region Kassel, Dr. Karin Müller.

Bislang gebe es im Landkreis 13 und in der Stadt 9 von Laboren oder Ärzten gemeldete Grippe-Fälle. Die Erkrankungszahlen seien jedoch weitaus höher, da Grippeviren nur zu einem geringen Teil nachgewiesen und somit auch den Gesundheitsbehörden gemeldet würden.

Dass die Influenza-Erkrankungsraten um diese Jahreszeit steigen, sei typisch. Allerdings seien die derzeit aktiven Viren besonders aggressiv. „Die Menschen erkranken sehr lange. Es dauert Wochen, bis sich die Betroffenen davon erholt haben und sich wieder gut fühlen“, sagt die Amtsärztin. Mitunter müssten schwer erkrankte Grippe-Patienten auf der Intensivstation behandelt und beatmet werden.

Auch jetzt sei eine Impfung theoretisch noch möglich, sagt Müller. Wer sich noch impfen lassen wolle, solle sich am besten mit seinem Hausarzt besprechen. Besonders empfohlen ist die Impfung für chronisch Kranke, Menschen über 60 Jahren, Schwangere und medizinisches Personal.

Vereinzelt hat Dr. Klaus Meyer auch in den vergangenen Tagen noch gegen Grippe geimpft. Es seien jetzt jedoch nur noch wenige Impfdosen zu bekommen, weiß er auch von Apotheken. Der Allgemeinmediziner, der Grippefälle an das Robert-Koch-Institut meldet, hat aktuell den Eindruck, dass die Fälle mit Infektionskrankheiten in dieser Woche etwas weniger geworden sind. Darunter auch gelegentlich Magen-Darm-Infekte und andere Atemwegsviren, die mitunter einen lang anhaltenden Husten verursachen.

Bei Kindern gebe es wenig Grippe-Fälle, sagt Dr. Gerhard Bleckmann, Kinder- und Jugendarzt in Baunatal. Doch viele Kinder „schlagen sich immer noch mit Viren herum, die die Hand-Fuß-Mund-Krankheit verursachen.“ Auch litten derzeit viele Kinder unter spastischen Bronchitis-Infekten, die mitunter auch zu Lungenentzündungen führten.

Neben Grippeviren haben derzeit auch Noroviren, die Brech-Durchfall-Erkrankungen auslösen, Saison. In der Stadt wurden dem Gesundheitsamt bislang 28 Fälle gemeldet, im Landkreis waren es schon 50. Im vergangenen Jahr gab es in Kassel insgesamt 179 Fälle, im Landkreis 173.

Tipps zum Vorbeugen und Auskurieren

Im Unterschied zu einem grippalen Infekt setzt bei einer echten Grippe plötzlich ein schweres Krankheitsgefühl ein, meist mit hohem Fieber.

Ein grippaler Infekt beginnt dagegen in der Regel allmählich, oft mit einem Kratzen im Hals, häufig gefolgt von Husten und Schnupfen.

Eine rechtzeitige Impfung am besten bereits im Herbst kann vor der Influenza-Infektion und deren Folgen schützen. Wichtig ist auch eine gründliche Händehygiene. Auch sollte man während der Grippesaison möglichst größere Menschenansammlungen meiden.

Erkrankte sollte sich zuhause gut auskurieren und bei schweren Symptomen wie Schmerzen und Atemnot den Arzt aufsuchen. Auch nach der akuten Erkrankung ist Schonung angesagt, um schlimme Folgeschäden einer Grippe wie Herzmuskelerkrankungen zu vermeiden.

Um Ansteckungen zu verhindern, sollten Betroffene Einwegtaschentücher verwenden, in die Armbeuge husten, engen Kontakt zu anderen Menschen möglichst vermeiden und die Wohnung regelmäßig gut lüften.

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