Sankt Elisabeth übernimmt Orgel der Martinskirche – dort neues Instrument bis 2017

Der große Orgel-Tausch

Orgeltausch in Kassel: Die bisherige Bosch-Orgel der evangelischen Martinskirche wird von der katholischen Sankt-Elisabeth-Kirche am Friedrichsplatz übernommen. Unser Bild zeigt Kantor Eckhard Manz vor dem Instrument in der Martinskirche. Fotos: Koch

Kassel. Eigentlich sind Orgeln fest mit einem Kirchengebäude verwachsen, doch jetzt steht in Kassel ein größerer Orgel-Tausch bevor. Die bisherige Bosch-Orgel der evangelischen Martinskirche wird von der katholischen Sankt-Elisabeth-Kirche am Friedrichsplatz übernommen und dort einen neuen Standort finden.

Die bisherige Euler-Orgel der Elisabethkirche mit 34 Registern, die den Ansprüchen nicht mehr genügt, wird an die kroatische Kirchengemeinde „Maria Königin der Apostel“ in Zapresic bei Zagreb abgegeben. Am Sonntag, 30. März, erklingt die alte Orgel der Elisabethkirche zum letzten Mal. Danach beginnen der Abbau und der Versand nach Kroatien. Bevor die Bosch-Orgel der Martinskirche aufgebaut werden kann, wird in der Elisabethkirche eine zusätzliche Orgelempore errichtet. Bis Ostern 2015 soll die dann generalüberholte Orgel in der Elisabethkirche aufgebaut und gestimmt werden, teilte die bischöfliche Pressestelle mit.

Den Großteil der Kosten von rund 500 000 Euro trägt das Bistum, die Gemeinde ist mit 100 000 Euro beteiligt. Die Schirmherrschaft für den Umbau hat Bischof Heinz Algermissen übernommen. „Ich bin sehr glücklich, dass die Bosch-Orgel mit ihren 57 Registern in der Elisabethkirche eine passende neue Heimat findet“, sagt der katholische Regionalkantor Thomas Pieper.

Eine ganz neue Orgel wird die Martinskirche bekommen. Im Jahr 2010 hatten die Gremien der Evangelischen Kirche von Kurhessen und Waldeck einen Betrag von 2,2 Millionen Euro bewilligt, um die baufällig gewordene Orgel von 1964 durch ein Instrument zu ersetzen, das in seiner klanglichen und baulichen Gestaltung wegweisend sein soll für die Orgelästhetik des 21. Jahrhunderts, so Kantor Eckhard Manz.

Die Kasseler Martinskirche ist einer der führenden Orte in Deutschland und sogar weltweit in Bezug auf neue Musik in der Kirche. Ziel, so Manz, ist ein Instrument, auf dem nicht nur das gesamte Orgelrepertoire seit dem Frühbarock „auf höchstem Niveau“ spielbar ist, sondern das auch den klanglichen Ansprüchen heutiger Komponisten Rechnung trägt.

Große Orgel-Tradition

Mit dem Neubau will man auch an die große Orgel-Tradition der Kasseler Martinskirche anknüpfen. Sie besaß mit der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Scherer Orgel von 1612 ein Instrument, das nach einem Umbau 1732 von Johann Sebastian Bach, dem größten Orgelmeister aller Zeiten, abgenommen wurde.

Bis die neue Martinskirchenorgel ertönt, müssen sich die Kasseler noch gedulden. Nach dem Abbau der Bosch-Orgel im August wird der Gemeindegesang für mehrere Jahre von der kleinen Orgel der Chorkirche begleitet werden.

Die künftige Orgel, die im documenta-Jahr 2017 erstmals erklingen soll, befindet sich derzeit in Planung. Das Entwicklungskonzept wird von der renommierten österreichischen Orgelbaufirma Rieger in Schwarzach/Vorarlberg erstellt. Für die äußere Gestaltung der Orgel wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, an dem sich Künstler und Architekturbüros beteiligt haben.

Eine Entscheidung soll laut Kantor Eckhard Manz in den nächsten Monaten getroffen werden. Dann kann auch der Auftrag für den Bau der Orgel vergeben werden. Sie soll über rund 70 Register sowie über eine Vielzahl neuer und erweiterter klanglicher Möglichkeiten verfügen - etwa flexiblen Winddruck. Darüber hinaus soll das neue Instrument, so Manz, „mindestens 100 Jahre störungsfrei funktionieren“.

Von Werner Fritsch

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