Platz sollte schon vor 1981 umgebaut werden

Großer Kreisel in Kassel: Pläne für Brücke sind schon 40 Jahre alt

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Mit dieser Bild-Montage präsentierte unsere Zeitung 1976 die Umbaupläne für den Großen Kreisel: Die weiß gestrichelte Linie sollte unseren Lesern zeigen, wie die B 83 mit einer Brücke über die Leipziger Straße geführt werden würde.

Kassel. Die jetzt wieder aktuell gewordenen Umbaupläne für den Großen Kreisel sind fast 40 Jahre alt. Weil der Knotenpunkt schon damals überlastet war, entstand der Vorschlag, eine Brücke über die Leipziger Straße zu bauen, um so die Verkehrsströme zu trennen. Eine grundlegende Veränderung hat es seitdem nicht gegeben.

Dabei kam die Idee seinerzeit von Kassels ehemaligem Bürgermeister Heinz Hille (SPD), der für so bewährte Erfindungen wie die Parkscheibe verantwortlich ist.

Heinz Hilles (1923-2011) Plan war ehrgeizig. Wie unsere Zeitung im Juni 1976 berichtete, hatte Hille im Verkehrsbeirat gefordert, bis zur Bundegartenschau 1981 den Großen Kreisel, der schon vor der Wiedervereinigung Platz der Deutschen Einheit hieß, in seiner bisherigen Form abzuschaffen. Knapp 30 Jahre nach dem Bau des Kreisels hielt Hille diesen für nicht mehr geeignet, „die heutigen Verkehrsanforderungen zu erfüllen“.

Einen Umbau in eine normale Kreuzung, wie er auch heute wieder von der Stadt präferiert wird, hielt der SPD-Mann aber nicht für sinnvoll: „Bei der Planung erscheint dem Verkehrsbeirat eine Brücke im Zuge der B 83, also eine kreuzungsfreie Verbindung über die Leipziger Straße hinweg, dringend notwendig, um das starke Fahrzeugaufkommen zu bewältigen“, sagte Hille seinerzeit. Auch die Kasseler Polizei stellte sich hinter die Pläne des Bürgermeisters.

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Über die Vorteile waren sich Hille und der damalige Leiter der Schutzpolizei Georg Schalles einig: Eine Brücke über die Leipziger Straße werde nicht nur die Situation am Platz der Deutschen Einheit entspannen, sondern auch für eine Entlastung des Altmarktes sorgen.

Schließlich fand auch die Kasseler CDU Gefallen an der Idee und versuchte diese 1978 voranzutreiben. Ohne Erfolg. Aus den damaligen Berichten unserer Zeitung ist zu entnehmen, dass es in den Reihen der SPD keine Mehrheit für das Vorhaben gab. Auch Carsten Coordes (SPD), seinerzeit Baudezernent, hielt das Thema für „noch nicht spruchreif“.

Er wollte schon 1974 eine Brücke für den Großen Kreisel: Der verstorbene Ex-Bürgermeister Heinz Hille.

So verlief Hilles Initiative im Sande. Viele weitere Jahre verstrichen, in denen sich am Großen Kreisel im Schnitt zuletzt 120 Unfälle jährlich ereigneten. Im Jahr 2012 griff ein von der Stadt beauftragtes Gutachten einer Bochumer Ingenieurgesellschaft die Idee mit der Brücke wieder auf. Das Gutachten kam zu dem Schluss, dass dies die aus verkehrs- wie volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten beste Lösung sei.

Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) sieht dies aktuell anders. Es gebe Zweifel an den Verkehrsprognosen der Bochumer. Eine Umbauvariante mit Brücke werde einen zweistelligen Millionbetrag kosten. Er präferiere eine herkömmliche Kreuzung. Eine weitere Untersuchung solle aber zunächst klären, wie sich das Verkehrsaufkommen entwickele. Erst auf dessen Basis solle entschieden werden.

Von Bastian Ludwig

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