Vorsitzende war bei Gründung eigentlich zu jung

Im Einsatz für die Belange der Älteren: 30 Jahre Senioren Union in Kassel

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Vier Kinder, sieben Enkel und zwei Urenkel: die Mutter, Oma und Uroma Doralies Schrader im heimischen Wohnzimmer vor der Kommode mit zahlreichen Familienbildern.

Kassel. Wo ist eine gefährliche Stufe? Wo fehlt ein Geländer? Die Belange der Senioren sind erst mit den Augen der Älteren zu sehen, ist Doralies Schrader überzeugt.

In den 30 Jahren ihres Bestehens sei es der Senioren Union Kassel-Stadt gelungen, Verständnis für diese Belange der Senioren zu wecken und zu finden. Das gelte für die eigene Partei genauso wie für die Stadtgesellschaft insgesamt.

„Senioren brauchen etwas Eigenes“, sagt die 84-Jährige. Dies sei in Kassel auch der Grundgedanke zur Gründung der Senioren Union gewesen. Doralies Schrader war eines von 40 Gründungsmitgliedern in der Versammlung am 13. August 1986. Bis heute steht sie der Vereinigung vor, die zwar zur CDU gehöre, aber selbstständig sei, wie die Christdemokratin betont.

Schrader ist die erste und über drei Jahrzehnte einzige Vorsitzende der Kasseler Senioren Union. Auf die Frage, wie sie das geschafft habe, gibt sie eine knappe Antwort: „Ich hatte keine Querelen und gute Stellvertreter.“ Bis 2017 ist sie gewählt. Ob sie das Amt weiterführen will, lässt sie offen.

Streng nach den Regularien hätte die Kasselerin die Senioren Union gar nicht gründen dürfen, denn eigentlich beträgt das Eintrittsalter 60 Jahre. Sie war 1986 gerade 54 Jahre alt. Das Bemühen zur Gründung habe es schon länger gegeben, mit ihrer Hilfe sei es schließlich durchgesetzt worden. Deshalb sei damals von der „Lex Schrader“ die Rede gewesen, schmunzelt sie.

Über die Jahre hinweg habe sich die zeitweilig mehr als 200 Mitglieder starke Senioren Union regelmäßig zu Gesprächen, Spaziergängen und Wanderungen getroffen, auch Reisen zum Beispiel nach Prag, Danzig und in die Bretagne unternommen. Man habe sich mit politischen Themen wie seniorengerechtes Wohnen beschäftigt und Fortbildungen besucht. „Wir haben auch tolle Sachen in dieser Zeit erlebt“, erinnert sich Schrader. Zum Beispiel, als 1989 die DDR-Bürger mit ihren Trabbis massenhaft in Kassel einrollten und die Mitglieder der Senioren Union ihnen Hilfe anboten. Am 11. Januar 1932 in Trier geboren, war Doralies von Grote, so ihr Geburtsname, nach dem Krieg mit den Eltern aus der sowjetischen Besatzungszone in den Westen geflüchtet. Beim Studium (Französisch, Geschichte, Sozialkunde) in Marburg lernte sie ihren Mann kennen, folgte ihm nach der Heirat 1955 nach Kassel. 1956 wurde sie erstmals Mutter, kümmerte sich fortan um Haus und Familie.

1972 trat Doralies Schrader in die CDU und dann bald auch in die Politik ein. Sie gehörte unter anderem von 1977 bis 2011 der Stadtverordnetenversammlung an, war Mitglied im Ortsbeirat und Ortsvorsteherin in Kirchditmold. Für die Senioren Union ist und war sie auf Kreis-, Landes- und Bundesebene tätig. Für ihr ehrenamtliches Engagement erhielt sie unter anderem das Bundesverdienstkreuz.

Die Senioren Union Kassel-Stadt feiert am heutigen Montag, 29. August, ihr 30-jähriges Bestehen. Sie zählt aktuell rund 120 Mitglieder.

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