Zahl der Gewerbe-Anmeldungen ist seit 2006 um fast ein Viertel zurückgegangen

Gute Konjunktur bremst Gründer

Kassel. Im vergangenen Jahr gab es im Bereich der IHK Kassel-Marburg 9055 Gewerbe-Anmeldungen. Vor zehn Jahren waren es noch fast 12.000. Fragen und Antworten:

Weshalb sinkt die Zahl der Anmeldungen?

Es klingt absurd: Weil es der Wirtschaft in Nordhessen seit Jahren so gut geht, wird weniger gegründet. IHK-Präsident Jörg Ludwig Jordan erklärt es so: „Die prosperierende Wirtschaft in der Region hat dazu geführt, dass die Zahl der Gründungen zurückgegangen ist, weil sie als Alternative zur Arbeitslosigkeit angedacht waren. Hier hat sicher eine Art Bereinigung stattgefunden“.

Wie sieht es mit den Gewerbe-Abmeldungen aus?

Die lagen 2015 bei 8687 und damit leicht unter der Zahl von 2014. Nach Jordans Einschätzung ist das seit Jahren anhaltend niedrige Niveau ein Zeichen der Beständigkeit der Unternehmenslandschaft in der Region.

In welchen Branchen gab es Zuwächse beziehungsweise Rückgänge?

Einen spürbaren Zuwachs gab es nur im Sozial- und Gesundheitswesen, was vor allem auf das Konto der alternden Bevölkerung geht. Im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien gab es ein ganz leichtes Plus. Im Handel, Dienstleistungssektor und Baugewerbe wurden wie seit Jahren erneut Rückgänge registriert. „Das Gründungsgeschehen passt sich der Nachfrage an. Abnehmende Einwohnerzahlen auf dem Land und der wachsende Online-Handel machen die Gründung eines stationären Einzelhandelsgeschäfts unattraktiv“, erklärte IHK-Gründungsexperte Oliver Stöhr.

Gibt es regionale Unterschiede?

In der Tat. In den Städten Kassel und Marburg sowie in deren Umland sind die Gründungsaktivitäten deutlich stärker ausgeprägt als in ländlichen Gebieten. Die meisten Gewerbe-Anmeldungen gab es somit in Kassel (23,1 Prozent) und in Marburg (20,9). Auch der Kreis Kassel präsentiert sich mit 18,2 Prozent weit gründungsfreudiger als der Rest Nordhessens. Der Schwalm-Eder-Kreis bringt es auf 12,9, der Kreis Waldeck-Frankenberg auf 10,1, Hersfeld-Rotenburg auf 8,5 und Schlusslicht Werra-Meißner auf 6,5 Prozent.

Wie haben sich die Arbeitslosenzahlen in den vergangenen zehn Jahren entwickelt?

Durchweg positiv. Sie haben sich halbiert, von fast zwölf auf 5,9 Prozent. Die niedrigsten Quoten wiesen Waldeck-Frankenberg (4,6 Prozent), Kassel (4,8), Hersfeld-Rotenburg (4,9) und Schwalm-Eder (5) auf. Der Werra-Meißner-Kreis lag bei 6,4, die Stadt Kassel bei 9,3 Prozent. Sie kommt aber von 19,2 Prozent im Jahr 2005.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.