Große Verantwortung für Psychologen

Häftlinge drohen häufiger mit Suizid

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Kassel. Der Selbstmord des mutmaßlichen Terroristen Jaber Albakr in Leipzig hat bundesweit für Debatten gesorgt, wie man mit Suizidgefährdeten in Haftanstalten umgehen soll. Auch in der JVA in Kassel-Wehlheiden befasst man sich damit. 

Es ist ein Thema, mit der sich auch die Beschäftigten der Justizvollzugsanstalt Kassel I in Wehlheiden seit Jahren verstärkt beschäftigen. Dabei ist die Zahl der Häftlinge, die sich in Hessen hinter Gittern tatsächlich das Leben nehmen, mit drei bis sechs Fällen pro Jahr relativ konstant, so Rene Brosius, Sprecher des hessischen Justizministeriums.

In der JVA Kassel I gab es 2013 einen Suizid, 2014 und 2015 keinen Fall und in diesem Jahr eine Selbsttötung, so Anstaltsleiter Jörg-Uwe Meister. Allerdings sei die Zahl der Inhaftierten gestiegen, die damit drohten, sich das Leben zu nehmen, wenn ihnen ein Wunsch nicht erfüllt werde. Diese Entwicklung gehe damit einher, dass heutzutage mehr Gefangene als früher verhaltensauffälliger seien, so Meister. Das Auftreten sei aggressiver, dreister und fordernder geworden, wie in allen Bereichen. „Die Vollzugsanstalt ist eben immer auch ein Spiegelbild unserer Gesellschaft.“

Den Satz „Gib mir einen Fernseher, sonst schneide ich mir meine Pulsadern auf“ haben der Justizvollzugsbedienstete Thomas Peschke, Leiter des Sicherheitsdiensts in der JVA, und seine Kollegen schon öfter gehört. Andere Gefangene drohten mit Selbsttötung, wenn sie nicht in eine andere Anstalt verlegt oder kein Methadon bekommen würden. „Die Inhaftierten wissen, dass dies ein ganz sensibler Bereich für uns ist“, sagt Peschke.

Jede Drohung eines Häftlings werde ernst genommen und müsse bewertet werden, sagt Dr. Sophie Hinrichs, Leiterin des Psychologischen Dienstes in der JVA. Den Psychologen käme damit eine große Verantwortung zu. Insgesamt gibt es vier Stufen, wie mit suizidgefährdeten Häftlingen umgegangen wird, um diese zu schützen.

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