Halal: Tiere werden in Deutschland vor Schlachtung betäubt

Muslim-Burger auch bei eingefleischten Nordhessen beliebt

Korankonforme Hamburger: Die Brüder Farbod Farahnak (links) und Farzan betreiben bereits zwei Hamburger-Imbisse in Kassel. Die beiden wollen expandieren. Für das Marketing ist Anika Krahn zuständig. Fotos:  Koch

Kassel. Echte Nordhessen essen Schweinefleisch. Stimmt, aber nicht alle. Muslime bevorzugen andere Fleischsorten. Muslim-Burger sind mittlerweile auch bei Einheimischen beliebt.

Ein Beispiel: Die Brüder Farbod und Farzan Farahnak haben schon immer gerne Burger gegessen. Für die beiden Muslime aus Kassel gab es in der Stadt allerdings nie ein Angebot, wo sie sich damit eindecken konnten. Bei Mc Donalds oder Burger King wird das Burger-Fleisch nämlich nicht nach den Regeln des Islam hergestellt.

Und so entstand bei den Brüdern, deren Eltern vor 30 Jahren aus dem Iran nach Deutschland geflüchtet sind, die Idee, einen Burger-Laden zu eröffnen, in dem auch Muslime ohne schlechtes Gewissen das amerikanische Gericht verspeisen können. Sie eröffneten im vergangenen Jahr ihren ersten Imbiss mit dem Namen „Take Hallali-Burger“ an der Theaterstraße. Seit November 2015 sind sie zudem im City Point am Königsplatz präsent.

Die Idee für den Namen Hallai hatte der 34-jährige Farbod Farahnak. „Das ist eine Anspielung auf das arabische Wort halal“, das bedeutet „erlaubt“. Was bei gläubigen Muslimen auf den Tisch darf, muss „halal“ (Türkisch: helal) sein. Das Fleisch muss aus einer Halal-Schlachtung stammen. Die Tiere werden allerdings nicht ohne Betäubung geschlachtet, wie es in der muslimischen Welt beim Schächten üblich ist. Das ist in Deutschland verboten.

80 Prozent ihrer Kunden seien keine Moslems, erzählen die beiden Brüder. Sie würden auch nicht offensiv damit werben, dass ihr Fleisch halal ist. Einige Muslime kämen zwar desalb extra zu ihnen, aber die meisten Kunden, weil es einfach gut schmecke und die Ware frisch sei. Die Brüder Farahnak legen darauf Wert, dass die Zutaten alle aus der Region kommen. Ihr Händler aus der Jägerstraße beziehe sein Fleisch von einem Metzger in Habichtswald.

Allerdings muss bei den Burger-Unternehmern nur das Fleisch „halal“ sein. „Wir haben auch kein Halal-Zertifikat“, sagt Farbod Farahnak. Für den Cheesburger verwenden die beiden Unternehmer ganz „normalen Schmelzkäse“. Es gebe sehr strenge Muslime, denen das nicht recht sei. Kürzlich habe ein muslimischer Kunde auch gefragt, warum im Laden Musik gespielt werde, wenn das Fleisch doch „halal“ sei.

Mit solch konservativen Standpunkten können die beiden Brüder, die Deutsche mit muslimischem Glauben sind, nichts anfangen. Vereinzelt habe es auch schon Kritik von Nicht-Muslimen gegeben. Ein Mann und eine Frau hätten sich darüber echauffiert, dass sie Fleisch aus der Halal-Schlachtung verwenden.

Dem Gros der Kunden ist das aber egal: Einen Unterschied schmeckt man ohnehin nicht. Die Burger, die aus 140 Gramm reinem Rinderhack und verschiedenen Saucen aus eigener Herstellung vor den Augen der Kunden hergestellt werden, schmecken einfach lecker. Der Klassiker kostet 4,50 Euro.

Das Geschäft der Brüder scheint gut zu laufen. Jedenfalls schmieden sie schon Expansionspläne.

Tiere werden vorher betäubt - Europäisches Halal-Zertifizierungsinstitut hat Richtlinien für Schlachtung ausgestellt

Das Europäische Halal-Zertifizierungsinstitut (EHZ) in Hamburg hat Richtlinien für die Halal-Schlachtung herausgegeben. Halal (oder Helal) ist Arabisch und steht für „das Zulässige, das Erlaubte“ und beschreibt all das, was den Muslimen durch den Koran und durch den Propheten Muhammed erlaubt ist. Im Zusammenhang mit Lebensmitteln bedeutet Halal, dass das Produkt für jeden Muslim zum Verzehr geeignet ist. Bedingungen hierfür sind, dass im Produkt kein Schwein verarbeitet wird, dass im Produkt kein Alkohol und Blut enthalten sind, und dass in sämtlichen Fleischprodukten nur die im Islam erlaubten Tiere verwendet werden, welche nach dem islamischem Ritus geschlachtet wurden (z. B. nur reine Pflanzenfresser wie Schafe, Kühe, Geflügel).

Einige islamische Vorschriften für Halal-Schlachtung: 

• Die Schlachtungen müssen durch muslimische Schlachter durchgeführt werden.

• Die Tiere müssen im Augenblick der Halal-Schlachtung lebendig sein.

• Betäubungsmethoden, die die Tiere vor Schmerzen und Leiden bei der Schlachtung schützen, sind anzuwenden, wobei bezüglich der Betäubungsmethoden der jeweilige aktuelle Stand wissenschaftlicher Forschung zum Schutze der Tiere anzuwenden ist. Die Tiere dürfen nicht vor dem Entbluteschnitt sterben.

• Es ist Pflicht, für jedes einzelne Tier den Namen Allahs beim Halal-Schlachten zu erwähnen. Es reicht jedoch aus, beim Starten von maschineller Halal-Schlachtung von Geflügel den Namen Allahs anzurufen. Das Wiederholen für jedes einzelne Tier entfällt.

• Die Tiere dürfen weder Stress noch Qualen ausgesetzt werden. Der Transport zur Halal-Schlachtung muss so schonend wie möglich gestaltet werden. Die Schlachtinstrumente müssen scharf genug sein, um eine möglichst stressfreie und schnelle Halal-Schlachtung zu gewährleisten.

• Eine Halal-Schlachtung ist vollzogen, wenn die Luftröhre, Speiseröhre und beide Schlagadern unterhalb des Kehlkopfes schnell durchgeschnitten sind. Es müssen mindestens drei dieser vier Stellen durchschnitten werden.

• Ausblutung der halal-geschlachteten Tiere muss gewährleistet sein.

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