Berufsorientierung im Bildungszentrum des nordhessischen Handwerks

Handwerk bereitet Flüchtlinge auf die Arbeitswelt vor

Lernten im Berufsbildungszentrum in Waldau zwölf Wochen lang verschiedene Berufe kennen : Abdisamed-Osman Abdullahi (links mit Ausbilder Bernhard Wehner) und Mohamed Rafi Seddiqhi (rechts). Fotos: Schachtschneider

Kassel. Mohamed Rafi Seddiqhi (25) aus Afghanistan und Abdisamed-Osman Abdullahi (25) aus Somalia sind froh, und man sieht es ihnen an. Die beiden Flüchtlinge gehören zu einer 14-köpfigen Gruppe, die an einer zwölfwöchigen Berufsorientierung im Berufsbildungszentrum (BZ) Kassel teilnehmen durfte.

In dieser Zeit durchliefen die beiden jungen Männer eine Reihe von Werkstätten, um herauszufinden, welcher Beruf ihnen liegt.

Und jetzt wissen sie es: Seddighi, der vor zehn Monaten erst nach Deutschland kam, will Anlagenmechaniker für Heizungs-, Sanitär- und Klimatechnik werden, Abdullahi – seit mittlerweile drei Jahren hier – Metallbauer.

Beide beginnen demnächst eine von der Arbeitsagentur finanzierte Einstiegsqualifikation – also eine Art Praktikum – bei heimischen Handwerksbetrieben. Und mit etwas Glück schließt sich daran eine Berufsausbildung an.

Die Berufsorientierung, die auch Sprachunterricht, Lern- und Integrationshilfe sowie sozialpädagogische Begleitung umfasst, ist Teil des Projekts „Wirtschaft integriert“, das das hessische Wirtschaftsministerium, die Agentur für Arbeit und die Jobcenter, das Handwerk sowie die Industrie- und Handelskammern aufgelegt haben. Ziel ist nicht nur die Integration Jugendlicher und junger Erwachsener, sondern auch die gezielte Nachwuchsförderung in Berufen, in denen Fachkräftemangel herrscht.

Abdullahi, der daheim als Verkäufer gearbeitet hat, lobt das Programm. „Ich habe hier viel gelernt und festgestellt, dass mir der Metallbau liegt“, sagt der Somalier. Jetzt wolle er weiterlernen. Er wolle eine vollwertige Berufsausbildung. Auch Seddighi schwärmt: „Es war toll hier, man konnte viele Berufe ausprobieren. In seiner Heimat hat er Abitur gemacht, das hier aber nur als Realschulabschluss gilt.

Im September startet bereits die nächste Berufsorientierungsrunde im BZ. 18 jungen Frauen und Männer durchlaufen dann dasselbe Programm wie Abdullahi und Seddighi. Bewerben können sich anerkannte Flüchtlinge, Asylbewerber mit Bleibeperspektive, geduldete junge Menschen und solche mit Migrationshintergrund bis 27 Jahren, erklärt BZ-Organisationsleiter Markus Hüther.

Schwieriger allerdings wird es dann, Plätze für Einstiegsqualifikationen in den Betrieben oder besser noch richtige Ausbildungsstellen zu finden. Hüther und Sozialpädagogin Johanna Matjak appellieren daher an Unternehmen, diesen jungen Menschen eine berufliche Chance zu geben.

Wer das tun will, wendet sich unter der Telefonnummer 0561/ 50 726 39 an Felicia Westermann vom Verein für Sozialpolitik, Bildung und Berufsförderung (VSB). Der VSB koordiniert das Projekt „Wirtschaft integriert“. Das Wirtschaftsministerium fördert übrigens jeden Ausbildungsplatz für diese Zielgruppe mit einmalig 4000 Euro. Hessenweit werden aber nur 400 Stellen bezuschusst.

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