Insbesondere Bäckern und Metzgern fehlt der Nachwuchs

Handwerk will auch Flüchtlinge ausbilden

Kassel. Die Konjunktur im Handwerk brummt, Auszubildende werden dringender denn je gesucht - aber es gibt sie kaum. Die Handwerkskammer Kassel hat dazu Zahlen.

Vor 15 Jahren begannen noch 4735 junge Menschen eine Ausbildung im Kammerbezirk. Mittlerweile sind es nur noch 2549. Eine Lösung könnte es sein, junge Flüchtlinge auszubiden.

Besonders gravierend ist die Entwicklung bei Metzgern, Bäckern und Konditoren. 1988 machten noch 1344 Nachwuchskräfte eine Ausbildung im Bereich Nahrungsmittel. Aktuell sind es nur noch 285. Die Auswirkungen sind mittlerweile deutlich zu spüren. „Ich finde keine Mitarbeiter mehr“, sagt zum Beispiel der Kaufunger Metzger Jörg Wiegand. Seine Filiale in Bad Wilhelmshöhe muss trotz bislang guter Geschäfte Ende November den Betrieb einstellen.

Der Präsident der Handwerkskammer Kassel, Heinrich Gringel, bezeichnet den Nachwuchsmangel als „gravierend“ und appelliert an die Politik „endlich die Rahmenbedingungen zu schaffen, um einfacher Flüchtlinge ausbilden zu können“. Das Handwerk sei bereit, seinen Beitrag zu leisten in Form von Sprach- und Qualifizierungskursen und Fahrtkosten. „Aber wir brauchen klare gesetzliche Regelungen, mit wem wir Verträge machen können“.

Einen ungewöhnlichen Weg zur Werbung junger Menschen für die Berufe Bäcker, Konditor und Fachverkäufer geht die Feinbäckerei Ruch aus Rosdorf bei Göttingen, die mit 400 Mitarbeitern 50 Filialen und Cafés in Niedersachsen und Nordhessen betreibt. Wer dort eine Ausbildung beginnt, bekommt wahlweise den Führerschein, einen Handy-Vertrag für die Dauer der Ausbildung oder eine private Altersvorsorge. „Aber die Situation ist unverändert schlecht“, sagt Geschäftsführer Thorsten Ruch. 22 Auszubildende hat er. 44 könnten es sein.

Rubriklistenbild: © DPA

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