Eine Seifenkiste, die verbindet: Projekt mit jungen Flüchtlingen

Endspurt vorm Rennen: Studentin Jana Scharnowski (von links), Mahdi aus Afghanistan, Sebastian Zielke (Leiter der Hephata-Wohngruppe), Mustafa aus Afghanistan und oben in der Seifenkiste Sozialarbeiter Jarek Zielski bei den letzten Arbeiten an der Seifenkiste. Foto: Fischer

Kassel. Junge Flüchtlinge, die ohne ihre Eltern nach Deutschland gekommen sind, habe eine Seifenkiste selbst gebaut. Damit soll auch die Integration in Fahrt kommen.

Mahdi hält zwei Holzstangen an die Hula-Hoop-Reifen: „Passt“, sagt er und setzt den Bohrer an. Der 17-Jährige aus Afghanistan arbeitet mit der Studentin Jana Scharnowski am Haifisch-Kopf - oder besser gesagt dem Vorderteil einer Seifenkiste. Die Hula-Hoop-Reifen dienen dazu, dem Kopf die gewünschten Rundungen zu geben. Wie bei einem schwimmenden Hai soll er sich hin- und herwiegen, wenn die Seifenkiste sich in die Kurven legt.

Den ganzen Sommer über hat ein Team aus sieben unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, zwei Studentinnen und Sozialarbeitern der Hephata Diakonie an dem Gefährt gearbeitet. Auch Skater des Vereins Mr. Wilson, auf dessen Gelände in der Kesselschmiede (Rothenditmold) die Seifenkisten-Werkstatt eingerichtet wurde, halfen mit. Am Samstag soll der rollende Haifisch nun erstmals bei einem Seifenkistenrennen in Oberursel an den Start gehen.

Der 17-jährige Mahdi ist der Sicherheitsbeauftragte im Team. Er zeigt den Überrollbügel, der den Fahrer im Fall eines Überschlags schützen soll, und den stabilen Sitz aus Pressholzplatten mit griffbereitem Feuerlöscher dahinter. „Ich wollte auch einen Gurt und einen Airbag“, sagt er und grinst. „Aber das ging nicht.“

Mahdi lebt in einer Wohngruppe der Hephata Diakonie für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Harleshausen. Wenn man ihn nach seiner Vergangenheit fragt, wird sein Gesichtsausdruck ernst und seine Antworten einsilbig. Mahdis Eltern leben nicht mehr. Vor zwei Jahren ist er allein nach Deutschland geflüchtet. Nun will er an der Oskar-von-Miller-Schule den Hauptschulabschluss machen. Danach würde er gern eine Ausbildung zum Elektriker machen. Ist in der Seifenkiste auch Elektronik verbaut? „Nein“, sagt er, „leider nicht.“ Jetzt hat er sein Grinsen wieder auf dem Gesicht.

Die Idee für das Seifenkistenprojekt hatte Sozialarbeiter Jarek Zielski mit seinem Kollegen Johannes Rühe. Beide arbeiten in der Hephata-Wohngruppe in Harleshausen. Für die Jugendlichen sei es schwer, Kontakte mit anderen jungen Leuten in der Stadt zu knüpfen. „Sie bewegen sich bisher in einem weitgehend geschlossenen System.“ Auch in der Schule seien die meisten in speziellen Flüchtlingsklassen. Bei der gemeinsamen Arbeit an der Seifenkiste ließen sich Berührungsängste schneller abbauen.

Das kann Jana Scharnowski bestätigen: „Es hat von Anfang super funktioniert.“ Sie halte sich allerdings nicht für eine begnadete Handwerkerin, räumt die 20-jährige Studentin der Sozialen Arbeit ein. Gerade wenn Schwierigkeiten auftauchten, habe sie an ihren Mitstreitern aus Afghanistan und Eritrea eines beeindruckt: „Sie sind alle total geduldig.“ Die jungen Flüchtlinge hatten in ihrem Leben schon ganz andere Probleme zu lösen.

Wenn ihr Haifisch-Wagen am Samstag an den Start geht, komme es ihm nicht auf eine gute Platzierung an, sagt Mustafa (17). „Wir haben zusammen gearbeitet und das ist wichtig.“ Wenn die Rennsaison vorbei ist, wollen die Jugendlichen ihre Seifenkiste versteigern. Den Erlös wollen sie für Obdachlose spenden.

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