Stadtverordnete diskutierten Streit um Weihnachten

Hass-Mails an Nussbaum-Kita: Stadt kündigt Strafanträge an

Kassel. Der Streit um Weihnachten in der Sara-Nussbaum-Kita hat am Montagabend die Kasseler Stadtverordnetenversammlung beschäftigt.

Wie Dezernentin Anne Janz (Grüne) berichtete, erhalten die Kita beziehungsweise deren Leitung und Mitarbeiter „schändliche“ Hass-Mails. Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) kündigte an, die Absender zur Rechenschaft ziehen zu wollen. „Als Personaldezernent sage ich: Wir werden jeden einzelnen dieser Fälle verfolgen und über unser Rechtsamt Strafantrag stellen“, erklärte Hilgen.

Dass in der Sara-Nussbaum-Kita kein Weihnachten gefeiert werde, stimme nicht, betonte Anne Janz. Alle Kasseler Kitas orientierten sich an den Richtlinien des hessischen Bildungs- und Erziehungsplanes. Danach sollen religiöse Feste gefeiert und altersgerecht vermittelt werden. Das sei auch für das Sara-Nussbaum-Haus verpflichtend. Janz: „Es gibt keine falsch verstandene Toleranz in unserer Stadt“, betonte Janz. „In den Kitas werden Feste begangen und Traditionen gepflegt, aber es gibt auch Feste anderer Kulturen.“

„Wir erwarten, dass solche Vorfälle aufgeklärt werden“, forderte Dominique Kalb (CDU). Die Antwort der Dezernentin habe ihn nicht überzeugt, sie sei nicht auf die Kritik der Eltern eingegangen. Wenn Kita-Verantwortliche auf Weihnachten verzichteten, sei das „ein völlig falsches Zeichen“, meinte Kalb.

Mit einem Antrag wollte die CDU den Magistrat dazu auffordern, dass „nicht aus falscher Toleranz auf die Pflege zum Beispiel weihnachtlicher Traditionen in städtischen Kindertagesstätten verzichtet wird“. Nach längerer Diskussion wurde dieser Vorschlag in der von der SPD beantragten namentlichen Abstimmung mit 47 Neinstimmen abgelehnt – dafür stimmten nur Vertreter von CDU und AfD.

Unsensible Pressemitteilung

Kritik übte Dr. Cornelia Janusch (FDP) am Umgang der Stadt mit dem Problem. Die erste Stellungnahme sei eine „unsensible Pressemitteilung“ gewesen. Der Fall zeige, dass ein „Pro-Aktiver-Umgang“ von der Stadt verschlafen worden sei, meinte Janusch.

Vorsitzender Kamil Saygin betonte im Namen des Ausländerbeirats die liberale und tolerante Erziehung in Kassel. „Wir haben niemals Kitas dazu aufgefordert, dass sie kein Weihnachten feiern sollen. Meine Kinder haben sich immer sehr auf Weihnachten gefreut“, sagte Saygin.

„Die AfD fordert das Festhalten an Traditionen und Gebräuchen unserer Kultur“, erklärte Stadtverordneter Sven Dreyer. Daher stimme man dem CDU-Antrag zu. „Ich hätte ein Bier darauf verwettet, dass die AfD einen solchen Antrag stellt, nun ist es die CDU“, sagte Linken-Fraktionschef Lutz Getzschmann. Die Linke lehnte ab – wie SPD, Grüne, FDP, Freie Wähler und Piraten.

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