Die Ära Lohmeier geht zu Ende

Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer wechselt in den Ruhestand

Trommelt nur auf dem Schlagzeug: Dr. Walter Lohmeier ist eher ein Mann der leisen Töne. Gut 20 Jahre führte er der promovierte Volkswirtschaftler die IHK-Kassel-Marburg. Foto: Fischer

Kassel. Dr. Walter Lohmeier scheint mit sich und der Welt im Reinen. Nach gut 20 Jahren an der Spitze der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg hinterlässt der 64-Jährige ein geordnetes Haus:

Die IHK steht auch bundesweit im Ruf, innovativ und effizient zu sein, mit Sybille von Obernitz sitzt seit dem Herbst seine Nachfolgerin im Haus, und der Kasseler Unternehmer Jörg Ludwig Jordan will sich der Präsidentenwahl stellen und somit in die Fußstapfen von Dr. Martin Viessmann treten. „Die Kammer ist für die Zukunft gerüstet“, sagt Lohmeier, der am Neujahrstag in den Ruhestand wechselt.

Und dennoch befällt ihn etwas Wehmut. Nicht nur weil Kassel für die Hälfte seine Arbeitslebens steht und die beruflich spannendste Station für ihn war, sondern vor allem auch der langjährigen Mitarbeiter und Weggefährten wegen. „Das sind schon tolle Menschen, mit denen ich all die Jahre zu tun hatte“, sagt der promovierte Volkswirtschaftler. „Aber alles hat seine Zeit, und vor mir liegt ein neuer Lebensabschnitt, auf den ich genauso neugierig bin wie auf alle vorangegangen“.

Lohmeier hat die Kammer mit Teamgeist und seiner verbindlich-versöhnlichen Art verändert wie kein anderer vor ihm. Unter seiner Ägide enstanden die Regionalausschüsse und Servicezentren in der Fläche. Er regionalisierte die Ausbildungsberatung und stärkte den bis dahin vernachlässigten IHK-Standort Marburg, wo seither der stellvertretende Hauptgeschäftsführer sitzt. Er war Mitgründer beziehungsweise Mitinitiator der Managementschule Unikims an der Universität sowie des Regionalmanagements.

Eines aber blieb ihm verwehrt: Die Regionalreform, also die Zusammenlegung von Stadt und Kreis Kassel zu einer Gebietskörperschaft. Dass dies bis heute nicht gelungen ist, bedauert er zutiefst und räumt ein: „Das hätten wir noch intensiver verfolgen müssen“.

Streit mit Kritikern

Vergessen scheint unterdessen der jahrelange Streit mit Kammerkritiker Kai Boeddinghaus, der zwar Leben in die Vollversammlung brachte, aber den scheidenden IHK-Chef nicht selten heftig anging und mitunter auch weit übers Ziel hinausschoss. „Ich gebe zu, dass ich erst lernen musste, mit derart harter Kritik umzugehen. Aber jetzt ist alles gut“, sagt er ohne den Namen seine Widersachers zu nennen. Vergessen auch die verunglückte Anlage von IHK-Geld bei der isländischen Pleite-Bank Kauphting, mit der die Kammer 621 000 Euro versemmelte.

Und nun Herr Dr. Lohmeier? „Einen genauen Plan habe ich gar nicht. Aber ich habe noch sehr viel vor, und deshalb ist mir nicht bange um die Zukunft“, versichert er. Zum einen ist da seine Familie: Ehefrau, zwei Kinder und drei Enkel. „Für die habe ich jetzt mehr Zeit“. Auch Tennisspielen, angeln und musizieren stehen auf dem Programm. Lohmeyer spielt Schlagzeug und Mundharmonika, derzeit in der Rock- und Bluesband „Blue Rots“. Außerdem will sich der Hobby-Astronom stärker in der Akademie für Raumforschung in Hannover und im Verwaltungsrat des Rot-Kreuz-Krankenhauses engagieren. „Da wartet viel auf mich“, sagt er.

Zur Person: Dr. Walter Lohmeier

Dr. Walter Lohmeier wurde 1951 in Göttingen geboren, wuchs in Beverungen im Weserbergland auf und machte in Paderborn sein Abitur. Danach studierte er in Marburg und Bochum Volkswirtschaftslehre und promovierte an der Ruhr-Universität. Nach einigen Jahren wissenschaftlicher Mitarbeit kam er 1981 als stellvertretender Geschäftsführer zur IHK Würzburg-Schweinfurt, wo er in den folgenden Jahren in unterschiedlichen leitenden Positionen tätig war. Am 1. Juni 1995 wurde er zum Hauptgeschäftsführer der IHK Kassel berufen. Lohmeier war und ist in zahlreichen Ehrenämtern aktiv.

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