Mieterbund fordert Umdenken

Volle Städte, leere Dörfer: In Hessen fehlen 520.000 Wohnungen

Kassel. Der hessische Mieterbund schlägt Alarm: In Städten wie Kassel fehlen bezahlbare Sozialwohnungen, während auf dem Land, zum Beispiel im Werra-Meißner-Kreis, ganze Ortschaften auszusterben drohen.

45.000 Haushalte in Hessen haben im Vorjahr laut Mieterbund eine Sozialwohnung gesucht, aber keine bekommen. In Hessen gibt es heute nur noch rund 92.500 preisgünstige Sozialwohnungen, 1990 waren es noch 250.000. Die Zahl wohnungssuchender Sozialmieter wird in diesem Jahr weiter steigen, sagt der hessische Mieterbund-Vorsitzende Wolfgang Hessenauer.

2015 wurden in Hessen gerade mal 400 Sozialwohnungen neu gebaut. Etwa 38.000 Wohnungen müssten insgesamt jedes Jahr fertiggestellt werden, um den Wohnungsbedarf vor allem in den Ballungszentren und Universitätsstädten einigermaßen befriedigen zu können. Auf längere Sicht fehlen in Hessen 520.000 Wohnungen, warnt Hessenauer, „wobei die meisten im südhessischen Raum benötigt werden“.

Volle Städte auf der einen, leere Dörfer auf der anderen Seite. Deshalb müsse es nicht allein in der Wohnungs-, sondern auch in der Regionalpolitik mehr Anstrengungen geben, um die Probleme in den Griff zu bekommen, fordert der Mieterbund. Je besser es gelinge, die Dörfer vor der Entvölkerung zu bewahren, desto geringer sei der Druck in den Ballungsgebieten.

Das Leben im ländlichen Bereich wieder attraktiv zu machen, sei Aufgabe der Politiker in Kommunen, Land und Bund. Nötig seien öffentlicher Nahverkehr, Einkaufsmöglichkeiten, Bildungseinrichtungen, medizinische Vorsorge und die Möglichkeit zur Teilnahme am kulturellen Leben.

Zum Hessischen Mietertag, der bis Sonntag dauert, sind 150 Delegierte nach Kassel gekommen, die in Hessen insgesamt 110.000 Mieterhaushalte vertreten.

Rubriklistenbild: © dpa

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