Ein Krankenwagen fehlt noch

Hilfe aus Kassel rettet Leben: Krankenstation in Uganda aufgebaut

Die Krankenstation rettete ihm vermutlich das Leben: Dieser neun Monate alte Junge ist von seiner Mutter mit über 40 Grad Fieber eingeliefert worden. Inzwischen ist er wieder wohlauf. Fotos: Privat/nh

Kassel. Die Krankenstation in Kooki in Uganda war noch gar nicht offiziell eröffnet, da hatte sie schon das erste Leben gerettet: Bereits am Sonntag bevor der Betrieb regulär losgehen sollte, kam eine Mutter mit ihrer schwer an Malaria erkrankten Tochter in das Hospital.

Die lebensrettende Infusion kam gerade noch rechtzeitig. Auch das erste Neugeborene war schon am Vorabend des ersten Arbeitstags in dem neuen Versorgungszentrum zur Welt gekommen.

Die vorzeitige Inanspruchnahme zeigt, wie notwendig die Krankenstation in der Region im Südwesten Ugandas ist, die mit Hilfe aus Nordhessen errichtet wurde. Der Kasseler Verein „Together – Hilfe für Uganda“ hat das Projekt mit Unterstützung der deutschen Regierung und ugandischen Partnern umgesetzt. 430.000 Euro hat der Bau gekostet, der innerhalb von 14 Monaten entstanden ist. Ein Viertel der Kosten hat der Verein über Spenden aufgebracht, den Großteil hat das deutschen Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) finanziert.

Im Einzugsgebiet der neuen Krankenstation leben 40.000 Menschen. „In Kooki gab es bisher keine adäquate medizinische Versorgung“, sagt Heinz Claßen vom Vorstand des Vereins. Die nächste Station ist zehn Kilometer entfernt, das bedeutet in Uganda 40 Minuten Autofahrt – wobei sich kaum jemand ein Auto leisten kann. Bis zum nächsten Krankenhaus sind es 65 Kilometer, in der Regenzeit ist es kaum zu erreichen.

Entsprechend groß war der Andrang seit der Eröffnung des Hospitals in Kooki. In der ersten Tagen kamen bis zu 130 Patienten. Von der Schwangerenvorsorge über die Behandlung von chronischen Erkrankungen und Tropenkrankheiten bis zur Versorgung von typischen Verletzungen bei der Feldarbeit oder Verbrennungen am offenen Feuer deckt die Poliklinik die medizinische Grundversorgung ab.

Dringend benötigt wird noch ein Krankenwagen, um schwerkranke Patienten transportieren zu können. Die aus Kassel stammende Ärztin Dr. Daniela Kietzmann, die übergangsweise in Kooki mitgearbeitet hat, berichtet von einer Frau, die einen Kaiserschnitt brauchte und während ihrer Wehen ins nächste Krankenhaus mit OP verlegt werden musste. Sie musste die lange Fahrt auf einem Moped antreten, der Bruder fuhr, die Schwiegermutter hielt sie fest.

Pfarrer Harald Fischer von der Gemeinde St. Familia hat nun versprochen, bis Ende Februar 20.000 Euro für einen gebrauchten Krankenwagen für Kooki aufzubringen. Er hofft, dass viele Spender dazu beitragen, dass bald noch mehr Leben in Uganda gerettet werden können.

Blog über das Krankenhaus in Kooki

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