Viele Menschen brauchen Verständlichkeit im Alltag – Audioguides sollen helfen

Audioguides bieten Hilfe in leichter Sprache

Haben Audioguides erarbeitet: Sarah Martin (links) und Susanne Holbein sind für das Freie Radio Kassel tätig und arbeiten im Büro für Leichte Sprache. Foto: Zander

Kassel.  Audioguides sollen in Kassel künftig in leichter Sprache Probleme im Alltag einfach und verständlich erklären.

Es beginnt mit dem typischen Geräusch einer abbremsenden Kasseler Straßenbahn. Die Türen öffnen sich, die Leute steigen aus und ein, die Türen schließen und die Tram setzt ihre Fahrt fort. Dann ertönt eine männliche Stimme: „Die Fahrkarten bitte.“

Mit dieser alltäglichen Situation beginnt der rund dreiminütige Audioguide, der den Erwerb von Fahrkarten in Kassel erklärt. Das Besondere: Er ist in sogenannter Leichter Sprache vertont.

Die Audioguides sollen helfen, Dinge wie das Kaufen von Fahrkarten oder auch das Leihen von Fahrrädern an Konrad-Stationen besser zu verstehen. Entwickelt wurde das Projekt der vertonten Ratgeber vor allem durch Susanne Holbein (45). Die Vorsitzende des Vereins „Medienblitz“, die seit 2002 beim Freien Radio Kassel arbeitet, ist selbstständige Medienpädagogin. Als sie zusammen mit der Universität Kassel ein Medienprojekt plante, kam die Idee auf, Seminare anzubieten, in denen Audioguides erstellt werden, die Probleme im Alltag einfach und verständlich erklären.

Doch was ist Leichte Sprache überhaupt? „Fachwörter, lange Sätze und zu viele Informationen machen es für manche Menschen unmöglich, den Text zu verstehen“, sagt Holbein. Daher müssten wichtige Texte, wie behördliche Schreiben oder Anleitungen für Computer, so verfasst werden, dass jeder wisse, was gemeint ist. Die Regeln der Leichten Sprache sind: kurze Sätze, einfache Wortwahl, viele Bilder (bei Texten) und gute Sprecher (bei Vertonungen). Sarah Martin (24), Mitarbeiterin im Büro für Leichte Sprache in Kassel, nennt die Zielgruppe: „Menschen mit Lernschwierigkeiten, geistiger Behinderung und Personen hohen Alters profitieren davon.“ Martin sagt aber auch klar: „Leichte Sprache ist keine Kindersprache.“ Zwar gebe es auch für Kinder mit Lernschwierigkeiten Bücher, aber ansonsten gehörten Kinder nicht zu den Nutzern.

Alltag besser bewältigen

Das Übersetzen von Texten in die Leichte Sprache bedeute für die Menschen, die darauf angewiesen sind, unheimlich viel: „Es ist die größtmögliche Selbstbestimmung“, so Martin. Immer mehr Menschen erfahren von der Leichten Sprache und die Betroffenen seien dankbar, dass sie ihren Alltag besser bewältigen können.

„Leichte Sprache ist auf dem Vormarsch“, sagt Holbein. Mittlerweile gibt es neben den Audioguides auch viele weitere Dinge, die umgeschrieben sind. So hat Martin erst kürzlich den Auftrag erhalten, eine Informationsbroschüre für eine Partei umzuformulieren.

Ob es an der Universität weitere Seminare geben wird, ist noch offen. Wer sich für Leichte Sprache interessiert, findet weitere Informationen unter: www.leicht-ist-klar.de. Auf www.medienblitz- hessen.de kann man sich verschiedene Audioguides anhören und kostenlos runterladen.

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