Bereits acht Hunde im Landkreis Kassel vergiftet

Hilfe für Vierbeiner: In einer Tierarztpraxis im brandenburgischen Fürstenwalde untersucht eine Tierärztin einen Golden Retriever. Zuletzt wurde im Landkreis ein solcher Hund vergiftet.
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Hilfe für Vierbeiner: In einer Tierarztpraxis im brandenburgischen Fürstenwalde untersucht eine Tierärztin einen Golden Retriever. Zuletzt wurde im Landkreis ein solcher Hund vergiftet.

Kreis Kassel. Tierfreunde sind bestürzt: In den vergangenen Wochen wurden acht Hunde im Altkreis Kassel vergiftet, vier Hunde starben. Die Polizei geht davon aus, dass die Vierbeiner mit Gift versetzte Köder gefressen hatten.

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Zuerst wurden vier Fälle aus dem Espenauer Ortsteil Hohenkirchen bekannt. Rund um die Mönchehofer Straße wurden vier Hunde vergiftet, ein Mops, ein Labrador-Mischling und ein Westhighland-Terrier starben. Bei dem vierten Hund, einem Labrador-Retriever, konnte die Halterin im letzten Augenblick verhindern, dass ihr Vierbeiner das vergiftete Fleisch aß, das ein unbekannter Täter in ihren Garten geworfen hatte.

Auch in Sandershausen sind zwei Hunde vergiftet worden. Die Polizei vermutet, dass die Tiere Hundefutter gefressen haben, das mit Rattengift versetzt war. Beide Tiere, ein Belgischer Schäferhund und ein Labrador, überlebten.

Weniger Glück hatte ein dreijähriger Mischlingshund in Ahnatal. Er starb an einer Vergiftung. Zuvor war er in den Feldern bei Heckershausen Gassi geführt worden.

Der letzte Fall ereignete sich im Baunataler Stadtteil Großenritte. Der Golden Retriever "Becks" bekam am Montag von einem älteren Mann mit Gift präpariertes Futter zugeworfen. Der sechsjährige Rüde überstand die Attacke glücklicherweise ohne größeren Schaden, berichtet der Hundehalter.

Hundefreunde im Altkreis sind alarmiert. In einem Forum für Hundebesitzer werden Meldungen zu Giftköder-Funden veröffentlicht. "In und um Kassel ist erhöhte Vorsicht geboten!", warnt eine Nutzerin.

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Infokarte der Tatorte (PDF-Datei)

In Großenritte und Espenau wurde vergiftetes Futter über den Gartenzaun zu den Hunden geworfen. Die Hundebesitzer gaben an, einen älteren Mann gesehen zu haben, der das Futter in den Garten geschmissen habe. "Es gibt keine Hinweise auf einen Zusammenhang", sagt Polizeisprecherin Sabine Knöll. Ganz auszuschließen könne man einen Zusammenhang aber nicht.

Die Polizei geht davon aus, dass es sich jeweils um örtliche Täter handele. "Wir haben wenig Ermittlungsansätze", sagt Knöll. Es sei wichtig, dass die Polizei Informationen von den Hundehaltern bekomme.

Bisher sind vier Anzeigen bei der Polizei eingegangen. In diesen Fällen werde wegen Sachbeschädigung in Verbindung mit einem Verstoß gegen das Tierschutzgesetz ermittelt. "Im Höchstfall erwartet den Täter eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren oder es gibt eine Geldstrafe", sagt Knöll.

Die Polizei appelliert an die Hundehalter, ihre Tiere an der Leine zu führen und ungewöhnliche Beobachtungen sofort zu melden, Tel. 0561/ 9100. (bas)

Erste Hilfe: Tipps vom Tierarzt

Besteht der Verdacht, dass ein Hund Rattengift gefressen hat, entscheide schnelle Hilfe über Leben und Tod, sagt Dr. Wolfgang Doering, Tierarzt in Bettenhausen. Das in den blau- bis türkisfarbenen Giftkügelchen enthaltene Cumarin hemme die Blutgerinnung, die Tiere sterben an inneren Blutungen.

Weil das Gift für Ratten und Mäuse angenehm schmecken müsse, werde es auch von Hunden und Katzen gern gefressen. Darin liege aber auch eine Chance, weil das Gift nur langsam wirke und so Zeit für die Behandlung bleibe. 30 bis 60 Minuten nach der Aufnahme könne ein Brechmittel gespritzt werden, später ein Gegenmittel. Symptome bei vergifteten Tieren sei Blut in Urin und Kot oder apathisches Verhalten wegen des einsetzenden Blutverlustes.

Giftköder-Warnung: App, SMS, Forum

Hundehalter helfen sich selbst: Es gibt einige Möglichkeiten, sich über Fundorte von Giftködern zu informieren – und in allen Fällen setzen die Anbieter auf die Gemeinschaft der Internetnutzer. Auf dogforum.de melden Nutzer nach Postleitzahlen sortiert Funde der gefährlichen Köder.

Auf giftkoeder-alarm.de werden Warnungen nach Bundesländern sortiert gemeldet. Dort kann man auch einen E-Mail-Newsletter abonnieren oder einen SMS-Alarm für zwei Euro im Monat.

Neu und kostenlos ist die iPhone-Applikation Giftköder-Radar (giftkoeder-radar.com). Eine Übersichtskarte zeigt Fundorte, und man wird per Push-Service über Warnungen innerhalb einer selbst definierten Sicherheitszone informiert. Direkt aus der Applikation heraus können Giftköder an soziale Netzwerke wie Facebook gemeldet werden. (jna)

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