In Nordshausen und Süsterfeld lassen sich 100 Prozent der Bürger schützen

Masern-Mumps-Röteln: Impf-Angst im Kasseler Stadtteil Brasselsberg

Geschützt in Kindergarten und Schule: Auf einen großen Teil der Kinder in Stadt und Landkreis trifft dies zu, allerdings sind die angestrebten Impfquoten längst nicht erreicht. Foto:  dpa

Kassel. Im vergangenen Jahr haben sich die Impfquoten in Stadt und Kreis wieder deutlich verschlechtert.

Das zeigen Auswertungen der Schuleingangsuntersuchungen, bei denen auch der Impfstatus der Schulanwärter untersucht wird. Besonders deutlich wird dies an der zweiten Kombi-Impfung, die vor Masern, Mumps und Röteln schützen soll. In Kassel waren demnach nur 81,6 Prozent (Vorjahr 90,2) der Schulanwärter, die ein Impfbuch vorlegten, geimpft. Im Landkreis betrug die Quote 86,9 Prozent (95,3).

„Hier werden wir ein bisschen runter gerissen durch Stadtteile, die weniger impffreudig sind“, sagt die Leiterin des Gesundheitsamtes Region Kassel, Dr. Karin Müller. So liegen die Impfquoten für die Kombi-Impfung Masern-Mumps-Röteln in den Stadtteilen Brasselsberg (77,8%), Kirchditmold (78,7 %) und Bad Wilhelmshöhe (79,1 %) deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 92,6 Prozent und der angestrebten Durchimpfungsrate von 95 Prozent. „Der Herdenschutz funktioniert nur, wenn möglichst viele Kinder geimpft werden“, appelliert die Amtsärztin, die Masern als eine schwere Infektionskrankheit ernst zu nehmen.

„Manche Eltern haben wahrscheinlich immer noch im Hinterkopf, dass dies harmlose Kinderkrankheiten sind. Doch das ist eben nicht so, denn es kann zu richtig schlimmen Komplikationen kommen und die Kinder sind sehr lange krank.“ Stadtteile wie Süsterfeld/ Helleböhn, Nordshausen (je 100 %), Wesertor (98,3 %) und Fasanenhof (97,2 %) gehen mit weitaus besseren Impfquoten und gutem Beispiel voran.

Auch der Impfschutz der Schulanwärter gegen Polio (Kinderlähmung), Diphtherie und Tetanus (Wundstarrkrampf) kann sich sehen lassen. Hier liegt die Gesamtimpfquote in der Stadt bei 97,9 Prozent. „Das ist großartig“, so die Gesundheitsamtchefin. Sorge bereite den Gesundheitsbehörden jedoch das Ergebnis einer Auswertung des Robert-Koch-Instituts, das sich auf bundesweite Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigung stützt. Dabei sei aufgefallen, dass sehr viele Kleinkinder nicht oder zu spät geimpft wurden. So seien im Alter von 24 Monaten erst 71 Prozent der Kleinkinder geimpft. Das sei bedenklich, da viele Kinder heute früher in die Kinderkrippen kommen, betont Müller: „Es ist nötig, Impfungen zeitgerecht abzuschließen, damit die Kinder geschützt sind.“ Zwar sei es Voraussetzung für die Aufnahme in eine Kindertagesstätte, dass die Eltern eine ärztliche Beratung in Anspruch nehmen und eine entsprechende Bescheinigung vorlegen. Eine Impfpflicht gibt es in Deutschland aber nicht. „Es ist wichtig, dass Eltern gut aufgeklärt werden“, betont die Amtsärztin. Archivfoto: Hein

Über das Thema „Nur geimpft in die Kita“ diskutieren bei der Eröffnungsveranstaltung der Gesundheitstage Nordhessen am Donnerstag, 17. März, 17 Uhr, im Kongress-Palais Stadthalle, Gesundheitsamtsleiterin Dr. Karin Müller, Kinderarzt Gerhard Bleckmann und Christiane von der Tann, Fachanwältin für Medizinrecht. Am Stand des Gesundheitsamtes beraten Mitarbeiter zum Thema Impfschutz auch bei Auslandsreisen. Besucher, die Rat suchen, sollten am besten Ihren Impfpass mitbringen.

Hintergrund: Masern breiten sich wieder aus

Obwohl Masern eigentlich bis zum Jahr 2010 ausgerottet sein sollten, breitet sich die gefährliche Infektionskrankheit auch in Deutschland wieder mehr aus. Während es 2012 bundesweit 186 Masernfälle gab, waren es ein Jahr später schon 1800, und 2015 verursachte ein Erkrankter in Berlin eine Epidemie von über 1000 Fällen, ein Kleinkind starb an der Infektion. In Stadt und Kreis Kassel gab es im vergangenen Jahr drei Masernerkrankungen. Masern sind eine hochansteckende Virusinfektion, die durch Tröpfcheninfektion übertragen wird: Bei Kontakt würden sich von 100 nicht geimpften Menschen 95 anstecken. Durch die mitunter lebensgefährlichen Erkrankung kann das Immunsystem wochen- und monatelang geschwächt werden. Mögliche Folgen sind schwere Lungenentzündungen und ein Übergreifen auf das Gehirn, was zu schweren geistigen Schäden führen kann. Besonders gefährdet sind Kleinkinder, Schwangere und Immungeschwächte. Da es keine spezielle Therapie gibt, kann man sich nur mit einer Impfung schützen. Empfohlen wird eine zweimalige kombinierte Schutzimpfung gegen Masern, Mumps, Röteln und ggf. Windpocken beginnend zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat. Aufgrund der Impflücken bei Erwachsenen wird die Impfung auch für alle nach 1970 geborenen Erwachsenen empfohlen, wenn sie in der Kindheit nur eine Impfung erhalten haben, noch nicht geimpft sind oder der Impfstatus unbekannt ist.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.