Michaelraj Yesudhason trifft Kasseler Patin wieder

Aus den indischen Slums nach New York City

Kennenlernen nach 20 Jahren: Michaelraj Yesudhason, der heute in New York lebt und die Kasslerin Marisa Stemmler, die für den Jungen eine Patenschaft übernommen hatte. Foto: Heise-Thonicke

Michaelraj Yesudhason trifft nach zwei Jahrzehnten seine Kasseler Patin Marisa Stemmler wieder. Die erstaunliche und berührende Geschichte eines indischen Slumdogs, der die Chance auf ein besseres Leben bekam.

Fast 20 Jahren haben sich die beiden nicht gesehen, jetzt liegen sie sich glücklich wieder in den Armen. „Ich bin so stolz auf Dich“, sagt Marisa Stemmler mit Tränen in den Augen, als ihr indischer Patensohn sie zum ersten Mal in Deutschland besucht.

Michael war acht Jahre alt, als er in das erste Kinderdorf des Kasseler Vereins Saint Boniface Anbaham kam. Heute lebt und arbeitet der 38-Jährige mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern in New York.

Er sei der Erste und bisher Einzige in seinem Heimatdorf, der studiert habe, sagt er stolz. „Ohne Anbaham hätte ich nicht so werden können“, sagt er dankbar. „Ich konnte gut aufwachsen, ich hatte die Chance, eine gute Erziehung und Ausbildung zu bekommen.“

Dass Michael diese Chance bekam, ist vor allem auch der Kasselerin Marisa Stemmler zu verdanken, die zu den Gründungsmitgliedern des engagierten Vereins gehört. Sie übernahm als eine von vielen Patenschaften auch die des kleinen, vermutlich durch eine Kinderlähmung-Infektion gehbehinderten Jungen, der sich schnell als sehr wissbegierig und fleißig erwies.

Vater nach Unfall gelähmt 

Michaels Familie, die drei Kinder hatte, war sehr arm. Der Vater war nach einem schweren Unfall querschnittsgelähmt und konnte nicht mehr arbeiten. Deshalb gaben sie den Jungen damals in die Obhut des Kinderdorfes.

Unter den Freunden dort, fand er schnell so etwas wie eine Familie, erzählt Michaelraj Yesudhason heute. Dass seine „Mutter“ in Deutschland für ihn sorgte, gab ihm zusätzlich Halt.

Michael machte in Indien eine Ausbildung als Lehrer, wo er später an einer englischen Schule arbeitete. Durch die Hilfe von evangelischen freikirchlichen Gemeinden erhielt er vor sieben Jahren ein Stipendium für ein Theologie-Studium in New York.

Dort arbeitet er heute als Kaplan und Krankenhausseelsorger. Seine Frau, die er später in Indien heiratete und deren Geschwister Michael aus dem Kinderdorf kannte, arbeitet in den USA als Krankenschwester. Von dort aus unterstützen sie Michaels alte und kranke Eltern und auch den arbeitslosen Bruder. „Es ist so faszinierend, dass aus dem Kind von damals solch ein toller Mann geworden ist“, sagt seine 74-jährige Patin, die selbst drei Kinder und sieben Enkelkinder hat.

Der 38-Jährige antwortet darauf bescheiden: „Gott brachte mich ins Kinderdorf und nach New York. Das ist wundervoll und es ist für mich ein Segen.“

Hintergrund: Freundeskreis Indische Kinderdörfer

Vor 30 Jahren wurde in Kassel der Freundeskreis Indische Kinderdörfer St. Boniface Anbaham auf Initiative des inzwischen verstorbenen Pfarrer Albert Dietrich der katholischen Gemeinde St. Bonifatius gegründet.

2500 bis 3000 Kinder aus den allerärmsten Schichten in Indien konnten hier bis heute wohlbehütet aufwachsen und auch beruflich ausgebildet werden. Rund 400 Menschen aus Nordhessen gehören derzeit zu den Förderern und Paten für die indischen Kinder.

So entstanden drei Kinderdörfer und 2011 auch eine Schule für rund 1000 Schüler. Die rund 35 Vereinsmitglieder arbeiten allesamt ehrenamtlich und finanzieren ihre Reisen nach Indien privat. Der Verein würde sich über weitere Unterstützer, Förderer und Paten sehr freuen.

Kontakt und Infos: www.kinderdorf-Anbaham.de

Spendenkonto IBAN: DE28520900000001281402

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.