Rund eine Million Euro Fördergeld weg

Aus für Institut für Energietechnologien: Forscher wandern ab

Sitz am Science Park auf dem Uni-Campus: Das House of Energy soll ein hessenweites Netzwerk zwischen Forschung, Politik und Unternehmen herstellen und so zur Energiewende beitragen. Archivfoto: Fischer

Kassel. Im Oktober wurde bekannt: Das Institut für dezentrale Energietechnologien (IdE) wird geschlossen. An die Stelle der Forschungseinrichtung rückt das „House of Energy“.

Seitdem verlassen viele Forscher den Standort Kassel.

Eine reine Netzwerkplattform ersetzt ein Forschungsinstitut – so lautete bereits im Oktober 2015 die Kritik vieler Mitarbeiter des Instituts für dezentrale Energietechnologien (IdE) am neu gegründeten „House of Energy“. Denn das IdE wird im Gegenzug geschlossen. Die letzten Forschungsprojekte sollen in rund zwei Jahren auslaufen. Die Folgen sind fatal, sagen Mitarbeiter des IdE: Hoch qualifizierte Wissenschaftler verlassen den Standort Kassel. „Alle Entwicklungen sind so eingetreten, wie wir das befürchtet haben – nur noch schneller“, sagt Professor Klaus Vajen, ehemaliger Leiter der Abteilung Thermische Energiesysteme am IdE und Leiter des Fachgebiets Solar- und Anlagentechnik an der Universität Kassel. Durch die Schließung des IdE seien bereits jetzt Forschungsprojekte im Umfang von rund einer Million Euro verloren gegangen. „Es gibt nur Verlierer in der Region. Insbesondere die heimische Wirtschaft, aber auch die Uni Kassel und das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik, denen jetzt zentrale Kooperationspartner fehlen“, sagt Vajen.

Ist Kandidat für Posten des Geschäftsführers: Peter Birkner.

Das House of Energy mit Sitz am Science Park auf dem Uni-Campus ist als Kompetenzzentrum für erneuerbare Energien gedacht. Acht Verwaltungsmitarbeiter, teils übernommen aus dem IdE, arbeiten dort. Es soll als Schnittstelle zwischen Unternehmen wie SMA, EAM, Viessmann, Forschungseinrichtungen und der Politik dienen. Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) bezeichnet es als Denkfabrik – geforscht wird aber nicht. Das Land und die EU unterstützen das House of Energy mit vier Millionen Euro. Die Wirtschaft soll etwa denselben Betrag zur Verfügung stellen.

Einige der 60 IdE-Mitarbeiter fanden an der Universität Kassel eine Anstellung: Neun Mitarbeiter habe man auf Projektbeschäftigung eingestellt, teilte Sprecher Sebastian Mense mit. Zudem sind zwei Projekte vom IdE an die Uni übergegangen.

Einen Aderlass für die Region gibt es dennoch – das liegt zum Beispiel an unattraktiven Arbeitsbedingungen an der Universität wie befristeten Verträgen. Christian Budig etwa war Abteilungsleiter beim IdE, hat aber gekündigt. Er wird die Region verlassen. Die Zukunft seines Projekts, das er dort betreute und insgesamt ein Fördergeldvolumen von über 160.000 Euro hatte, steht damit in den Sternen. Er wird es wohl an eine andere Einrichtung übergeben – man sei in Verhandlungen. „Ich kritisiere nicht das House of Energy, aber es ist ein Verlust, dass das IdE geschlossen wird“, sagt er.

Währenddessen zeichnet sich ein Kandidat ab, der Geschäftsführer des House of Energy werden könnte. Nach gut informierten Kreisen soll es sich um den Elektroingenieur Professor Peter Birkner handeln. Der 53-Jährige war bis zum vergangenen Jahr Vorstand Technik der Mainova AG. Das Unternehmen ist einer der größten regionalen Energieversorger. Kein Kommentar, sagte er auf Anfrage. Die Gremien des Vereins sollen in dieser Woche tagen – vermutlich noch am Mittwoch.

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