Studie: Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt

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Im vergangenen Jahr kamen 800.000 Flüchtlinge nach Deutschland. Ihre Integration in den Arbeitsmarkt stellt eine Herausforderung an Jobcenter und Unternehmen dar.

Eine Studie zeigt nun: Ohne die Hilfe der vielen kleinen, teils ehrenamtlichen Hilfsinitiativen, wäre diese Aufgabe nicht zu bewerkstelligen. 

Die Zahlen sind alles andere als rosig: Nur acht Prozent der Geflüchteten haben es innerhalb eines Jahres geschafft, einen Job in ihrer neuen Heimat Deutschland zu ergattern. Und auch über längere Zeiträume, über 10 und sogar 20 Jahre zeigt sich, dass die Erwerbsquote unter den Zuwanderern deutlich geringer liegt als bei den Einheimischen. Angesichts des Zuwanderungsstroms wurden die Programme zur Vermittlung von Beschäftigung zwar ausgebaut, um diese Integrationsleistung zu verbessern. Doch ohne die vielen kleinen Initiativen, die sich dafür einsetzen, Geflüchtete in Lohn und Brot zu bringen, wären die Behörden schlicht mit der Aufgabe überfordert. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „An die Arbeit“ des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. 

Was zählt, sind Sprachkenntnisse und soziale Kontakte 

Die Kluft zwischen den Geflüchteten und den Anforderungen des deutschen Arbeitsmarktes sind mitunter groß – um das zu erkennen, reicht ein Blick in die aktuellen Stellenangebote. Die meisten Neuankömmlinge mögen jung und motiviert sein, doch nur eine Minderheit verfügt über Abschlüsse und Qualifikationen, die in Deutschland anerkannt sind. Der beste Weg in den Arbeitsmarkt führt daher meist über intensive Sprachkurse und eine Ausbildung. Doch viele Geflüchtete scheuen sich davor, in monatelange Sprachkurse oder gar eine jahrelange Ausbildung zu investieren. Oft müssen sie ihre Familien unterstützen oder durch die Flucht verursachte Schulden abbezahlen, sodass sie möglichst schnell zu arbeiten beginnen wollen, notfalls auch in einfachen Hilfsjobs.

Sprachunterricht mit Praxisbezug 

Viele Vermittlungsprogramme, die Geflüchtete bei der Jobsuche unterstützen, greifen zudem erst, wenn sich diese aktiv an diese wenden. Doch dafür fehlt vielen Neuankömmlingen sowohl die Sprachkompetenz als auch der Durchblick im deutschen Behördendschungel. Das Problem ist bekannt: "Wir wissen, dass nur 20 Prozent aller Migranten ihren ersten Job in Deutschland durch Arbeitsvermittlung finden, aber 55 bis 60 Prozent über Freunde, soziale Netzwerke, Familie", so Stephan Sievert, einer der Autoren der Studie „An die Arbeit“. Kleine Initiativen versuchen daher, früher anzusetzen, als es sie Behörden leisten können: Sie sprechen Geflüchtete aktiv mit Beratungsangeboten an und versuchen, sie bei ihrer Jobsuche zu unterstützen.

Bürgerinitiativen leisten einen notwendigen Beitrag

Viele Hilfsprogramme, die Geflüchtete in Arbeit vermitteln, haben daher einen starken Praxisbezug. Zum Beispiel, indem der Sprachunterricht aufgebaut wird wie ein Bewerbungsgespräch, oder indem gezielt Fachvokabeln vermittelt werden, je nach angestrebtem Beruf. Andere Initiativen vermitteln zweiwöchige Praktika, um die Geflüchteten in verschiedene Ausbildungsberufe hineinschnuppern zu lassen. Doch auch bei den Unternehmen muss Aufklärungsarbeit geleistet werden: Vor allem mittelständische Betriebe scheuen sich vor dem vermeintlichen bürokratischen Aufwand beim Einstellen von Geflüchteten. 

Integration ist daher langfristig nur möglich, wenn Geflüchtete, Unternehmen und Behörden gleichermaßen aufeinander zugehen. Ohne die Hilfe der Flüchtlingsinitiativen, in denen sich auch eine Vielzahl ehrenamtlicher Helfer engagiert, ist diese Herausforderung nicht zu meistern.

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