Interview zu Humor und Dialekt

„Von der derben Art“: Wir suchen Mundart-Witze

Kassel. Die nordhessische Mundart bringt viele Witze hervor. Im Regiowiki wollen wir sie sammeln.

Mit Roland Siebert, dem Vorsitzenden der Gesellschaft für Nordhessische Mundarten, haben wir über die Besonderheiten des Dialekts und Humors gesprochen.

Haben Sie Sinn für Humor? 

Roland Siebert: Ich denke schon. Ich habe viele lustige Geschichten für Kinder geschrieben.

Und wie sieht es mit nordhessischem Humor aus? 

Siebert: Natürlich! Der nordhessische Humor ist meiner Meinung nach aber ziemlich bodenständig.

Sind wir Nordhessen also nicht besonders witzig? 

Mundart im HNA-Regiowiki

Siebert: Eher nicht. Es gibt andere wie die Berliner, Rheinländer und Sachsen. Wenn die sich unterhalten, kommt in jedem dritten Satz ein Witz vor.

Was ist das Besondere an Mundart-Witzen? 

Siebert: Mundartwitze haben etwas, das ein auf Hochdeutsch erzählter Witz nicht hat. Man kann es als sprachlichen Dualismus bezeichnen, wenn in einem Witz hochdeutsche und Mundart-Elemente aufeinandertreffen. Den Witz versteht nur, wer Mundart kann.

Wie entstehen Mundart-Witze? 

Siebert: Es gibt in jedem Dorf Originale, die Späße machen und erzählen. Ein Beispiel: In meinem Heimatort lebte ein älterer Herr. Wenn wir ihn als Kinder trafen, erzählte er uns witzige Geschichten in Mundart. Daraus entstehen beim Weitererzählen oft Witze.

Was ist typisch für den nordhessischen Witz? 

Siebert: Nordhessische Witze sind von der derben Art.

Inwiefern derbe? 

Siebert: Es kommen oft Schimpfwörter vor. Beliebt ist der Ausdruck Schess. Auf Hochdeutsch: Scheiße. Ein Mädchen, das nicht viel hermacht, wird in Witzen als Schessdeng bezeichnet. Schess ist ein typisches Kasseler Wörtchen. Noch mehr findet man im Kasselänischen Schimpfwörterbuch von Axel Herwig.

Gibt es nur einen nordhessischen Dialekt? 

Siebert: Natürlich nicht. Man unterteilt Deutschland in das Niederdeutsche, das Mittelfränkische und das Oberdeutsche. Die Lage Nordhessens ist verzwickt. Wir liegen an der großen Sprachgrenze zwischen dem Niederdeutschen und dem Fränkischen mit vielen sprachlichen Ausformungen.

Wie viele Dialekte gibt es in Nordhessen? 

Siebert: Schätzungsweise gibt es 35 verschiedene Dialekt-Ausformungen.

Sterben unsere Witze und damit die Mundart aus? 

Siebert: Es kann sein, dass bestimmte Witze aussterben. Aber das heißt nicht, dass auch die Mundart ausstirbt.

Wie können wir unsere Mundart erhalten? 

Siebert: Der einzige Weg ist, sie an Kinder weiterzugeben. In unserer Mundart-Werkstatt bringen wir ihnen Gedichte und Sprichwörter bei. Sie studieren auch Sketche in Mundart ein und führen sie auf.

Roland Siebert (76) wurde in Berndshausen (Knüllwald im Schwalm-Eder-Kreis) geboren. Er war zuletzt Lehrer für Englisch, Erdkunde und Geschichte in Treysa. Er studierte Anglistik in Gießen. Mit seiner Frau hat Siebert drei erwachsene Söhne. In seiner Freizeit geht er gern angeln und spielt Doppelkopf.

Nordhessische Witze gesucht 

Wir brauchen Ihre Hilfe: Im Regiowiki, dem digitalen Lexikon für die Region, wollen wir auf einer Seite nordhessische Witze sammeln. Wenn Sie also nordhessiche Witze - bevorzugt in Mundart - kennen, dann schicken Sie uns diese zu. So funktioniert es: Schicken Sie uns einfach eine Email an online@hna.de mit dem Stichwort Nordhessenwitz. Wir sammeln die Witze bis zum 1. April und veröffentlichen sie anschließend im Regiowiki.

Kommentare

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