Bangen um die eigenen Kinder

IS-Terroristen aus Kassel: Vater suchte Söhne in der Türkei

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Verlor seine Söhne an den sogenannten Islamischen Staat: Joachim Gerhard aus Kassel. In der Nähe der syrischen Stadt Kobane sollen die jungen Männer aus Kassel für den IS gekämpft haben und ums Leben gekommen sein.

Kassel/Kobane. In der vergangenen Woche sei er gebeten worden, im Kasseler Polizeipräsidium zu erscheinen, sagt Joachim Gerhard.

Dabei hatte er womöglich eine Vorahnung, dass man ihm keine gute Nachrichten präsentieren würde – er nahm einen Rechtsanwalt mit. Ein Beamter, erzählt Gerhard, habe ihm dann mitgeteilt, dass man Erkenntnisse habe, dass seine Söhne tot seien. „Höhere Stellen“, so der Beamte, hätten ihn aufgefordert, Gerhard das mitzuteilen: „Die Akte ist geschlossen.“ Gestorben seien die Brüder schon im März vergangenen Jahres, in der Nähe der Stadt Kobane im nördlichen Syrien.

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Im Kasseler Polizeipräsidium heißt es auf HNA-Anfrage zu der Schilderung Joachim Gerhards, dass man nicht selbst, sondern die Frankfurter Staatsanwaltschaft zuständig sei. Auch dort hieß es am Montag: kein Kommentar. Oberstaatsanwältin Niesen: „Die Frankfurter Staatsanwaltschaft äußert sich zu derartigen Anfragen generell nicht.“

In der Vergangenheit war Joachim Gerhard 15-mal in der Türkei, um seine Kinder zu suchen. Das letzte Mal vor fünf Wochen. Die Ungewissheit, was mit seinen Kindern passiert ist, setzt ihm zu – immer zwischen Hoffen und Bangen.

Wie es so weit kommen konnte, ist ihm bis heute ein Rätsel. Seine Kinder schlossen die Schule mit dem Abitur ab, begannen zu studieren oder wollten eine Ausbildung machen. Erst begann sich der ältere Sohn seit Anfang 2014 zu verändern. Er ging in eine Moschee in Kassel. Der Vater begleitete ihn und den jüngeren Bruder, der ebenfalls in diese Szene abrutschte, sogar zu Gebeten.

Er schöpfte da noch keinen größeren Verdacht. Was danach folgen sollte, war für den Vater nicht absehbar. Vielleicht sei ihnen ein besseres Leben versprochen worden. Gemeinsam mit einer Baunatalerin und einem 18-Jährigen aus Kassel reisten sie als Vierergruppe nach Syrien. Dort lebte schon ein weiterer Bekannter aus Kassel. „Ich gehe damit jetzt an die Medien, um zu verhindern, dass sich weitere junge Menschen dem IS anschließen“, sagt Gerhard.

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