15 Jahre Wikipedia: So wird es als Quelle für die Schule genutzt

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Kassel. Für die einen ist das Online-Lexikon ein modernes Nachschlagewerk, für die anderen eine unseriöse Quelle. Wir haben in Schulen und bei Buchhändlern nachgefragt.

Wikipedia gehört bei vielen Schülern in Kassel seit Langem zum Alltag. Ob Referat, Hausarbeit oder Lernen für die Klassenarbeit - das Online-Lexikon bietet schnell Antworten auf jegliche Fragen.

HNA-Regiowiki: Das Online-Lexikon für Nordhessen und Südniedersachsen

Ludger Becklas, Schulleiter des Goethe-Gymnasiums, bestätigt, dass Wikipedia schon seit einigen Jahren zu den meistgenutzten Recherche-Werkzeugen für Referate und Hausarbeiten gehöre. „Wir akzeptieren Wikipedia auch als Quelle.“ Allerdings müsse ersichtlich sein, dass die Schüler nicht nur abgeschrieben, sondern eine Eigenleistung erbracht haben. „Es ist aber auch schon vorgekommen, dass in einem Kurs die Referate auffällig ähnlich waren und sogar die gleichen Bilder verwendet wurden. Das geht dann natürlich nicht.“

Dicke Wälzer wie der Brockhaus - der Vertrieb wurde 2014 eingestellt - würden im Unterricht nicht mehr eingesetzt. „Die Schüler haben ja auch alle Smartphones oder Tablets, mit denen sie auch im Unterricht recherchieren dürfen.“ Wörterbücher wie Pons und Duden kämen aber nach wie vor zum Einsatz.

Auch an der Luisenschule kommt Wikipedia zum Einsatz, aber Henrik Neumann, stellvertretender Schulleiter betont:

„Wir fordern unsere Schüler auf, die Beiträge von Wikipedia stets kritisch zu hinterfragen und bei Bedarf auch nachzurecherchieren.“ Klassische Nachschlagewerke seien von daher auch in Zeiten der schnellen Internetrecherche unverzichtbar, so der Pädagoge. „Mit diesem Ansatz hoffen wir, die Medienkompetenz bei unseren Schülern zu stärken.“

Ähnlich verführe man am Wilhelmsgymnasium, teilt Schulleiter Uwe Petersen mit. „Im Umgang mit Wikipedia setzen wir auf einen Mix. Für viele Schüler ist Wikipedia die erste Informationsquelle, wenn sie schnell etwas wissen müssen, aber wir sagen ihnen immer: Verlasst euch nicht nur auf Wikipedia, sondern nutzt weitere Quellen. Gerade zeitlose Informationen lassen sich viel besser in einem klassischen Lexikon finden.“

Anders als am Goethe-Gymnasium wird das Smartphone bei der Recherche im Unterricht von Petersen und seinen Kollegen nicht gern gesehen. „Das erlauben wir nur im Einzelfall“, betont der Schulleiter. Den neuen Medien verschließen wollen sich die Pädagogen aber nicht: „Im Gegenteil, in vielen Unterrichtsmaterialien geben wir Internetlinks zum Nachschlagen an.“

Einen anderen Stellenwert hat das Online-Lexikon dagegen an der Universität Kassel. „Wikipedia ist als wissenschaftliche Quelle nicht zitierfähig“, sagt Dr. Christiane Borchard, Leiterin des universitären Servicecenter Lehre. Im wissenschaftlichen Lehrberieb werde Wert auf die Einhaltung der Standards der Deutschen Forschungsgesellschaft gelegt. Ausnahmen von dieser Regelung seien laut Borchard nur bei tagesaktuellen Themen denkbar, wenn trotz gründlicher Recherche keine andere Quelle verfügbar sei.

Das Prinzip Wikipedia 

Der Name „Wikipedia“ setzt sich zusammen aus dem hawaiischen „Wiki“ (schnell) und dem englischen „Encyklopedia“ (Enzyklopädie). Als einer der Hauptbegründer gilt der Amerikaner Jimmy Wales. Ziel von Wikipedia ist das freie und kostenlose Zurverfügungstellen von Wissen. Beiträge können von jedermann erstellt, verändert oder ergänzt werden. Eine Redaktion zur Überprüfung der Beiträge gibt es nicht, die Nutzer kontrollieren Beiträge selbst und korrigieren Fehler. Seit 2008 gibt es sogenannte Sichter, regelmäßige Autoren. Sie überprüfen Artikel auf mutwillige Verunstaltungen und markieren sie dann als „gesichtet“. Heute ist die Enzyklopädie in 300 Sprachen abrufbar. Sie enthält mittlerweile über 37 Millionen Artikel. Teilnehmer aus Nordhessen haben sogar einen Wikipedia-Stammtisch gegründet.

Von Claudia Voss und Carolin Hartung

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