Wagen landeten auf Schrottplatz

Vor 50 Jahren: Kasseler war beim Abschied der Herkulesbahn dabei

Die Tage waren gezählt: Foto vom letzten Betriebstag am 11. April 1966. Dieses und alle anderen Fotos hat uns Gerhard Hoffmeister zur Verfügung gestellt.

Kassel. Gerhard Hoffmeister war dabei, als die Herkulesbahn vor 50 Jahren das letzte Mal in Richtung des Kasseler Wahrzeichens zuckelte. Der Rentner aus Kassel erinnert sich gut an diesen 11. April 1966.

Um 23.10 Uhr setzte sich die Linie 13 in Bewegung. „Die Bahn war übervoll und am Ende flossen Tränen“, erzählt Hoffmeister.

Der heute 75-Jährige selbst hatte seinerzeit einen der Plätze in der Bahn ergattert und am Ende auch die analoge Anzeigetafel mit der Aufschrift „Herkules“. Für uns hat er sein Fotoalbum geöffnet.

Gerhard Hoffmeister

Für ihre letzten Fahrten war die mit Tannenzweigen geschmückte Herkulesbahn vom damaligen Luisenhaus gestartet, das sich an der Abzweigung Druseltalstraße/Konrad-Adenauer-Straße befand. Alle weiteren Haltestellen der Herkulesbahn im Stadtgebiet waren zu diesem Zeitpunkt bereits verschwunden. Nachdem die Schmalspurbahn über 60 Jahre lang die Stadtgeschichte geprägt hatte, war der Andrang zum Abschied entsprechend groß.

Es waren mehr Menschen gekommen, als die Bahn aufnehmen konnte. Bezahlen musste ausnahmsweise niemand für die Fahrt, stattdessen floss der Schnaps und Jäger bliesen auf ihren Hörnern „Jagd vorbei“. „Auf ihrer allerletzten Fahrt um kurz nach 23 Uhr fuhr die Bahn gar nicht mehr bis zum Herkules. Es ging nur noch bis nach Neu-Holland“, erinnert sich Hoffmeister. Anschließend sei die Bahn samt Fahrgästen ins Depot an der Dönche eingerollt, das sich an der Druseltalstraße / Ecke Döncheweg befand. Ein halbes Jahr hätten die alten Bahnen dort noch im Depot gestanden, so der 75-Jährige. „Zunächst wollte die KVG die Bahnen verkaufen. Als klar war, dass sie verschrottet werden, durfte ich mir im Depot mehrere Teile abbauen“, sagt Hoffmeister.

Lexikonwissen:

Die Herkulesbahn im Regiowiki

Scheinwerfer, Schilder, Kurbeln und die Notlichter montierte er sich ab. Aus den Teilen baute er sich zu Hause eine Cocktailbar mit Herkulesbahn-Optik. Als er umzog, verkaufte er die Teile an einen Sammler. Besonders die Notlichter waren ein Hingucker. Dahinter verbarg sich nicht mehr als eine Kerze, die bei Stromausfall in der Herkulesbahn ausgeklappt werden konnte. Endstation der Herkulesbahn war ein Schrottplatz in Bettenhausen in der Nähe des Leipziger Platzes.

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