Die erste Talstation befand sich am Palmenbad

Vor 50 Jahren rollte die Herkulesbahn aus

Kassel. Vor 50 Jahren fuhr die Herkulesbahn zum letzten Mal. Die Bahntrasse durch das Druseltal verband die Stadt mit Kassels Wahrzeichen. Ursprüngliche Talstation war das Palmenbad. Ein Blick zurück.

Am 11. April 1966 war Schluss: Die Herkulesbahn transportierte zum letzten Mal Fahrgäste aus der Stadt zum Herkules. Anschließend wurde die Bahn, die über 60 Jahre lang die Kasseler Geschichte prägte, durch einen Bus ersetzt, die Gleise wurden entfernt. Bis heute trauern viele Kasseler der Zeit nach und wünschen sich die Reaktivierung der Herkulesbahn.

Mehr zur Herkulesbahn gibt es im Regiowiki. 

Den Startschuss für den Betrieb der Schmalspurbahn hatte 1902 der Kasseler Industrielle Gustav Henkel gegeben. Er hatte die Trasse über die Druseltalstraße bauen lassen, um zunächst Kohle und Basalt aus dem Habichtswald zu transportieren. Ein Jahr später fuhren auch Personenwagen. Erste Talstation war das Palmenbad in Wilhelmshöhe. Die frühere Station an der Ecke Kurhausstraße / An den Eichen ist bis heute teilweise erhalten und wird als Hotel und Café betrieben - auch früher diente das Gebäude dem Erbauer Henkel als Gästehaus.

Bahn, Bad und E-Werk

In den Anfangsjahren: Die Talstation Palmenbad auf einer Aufnahme kurz nach der Jahrhundertwende. Fotos: privat

Der Name des Gebäudes geht auf das einst benachbarte Schwimmbad „Palmenbad“ zurück, das ebenfalls Henkel errichten ließ. Beheizt wurde das vor 120 Jahren eröffnete Bad (1896) mit dem Auspuffdampf von Henkels Elektrizitätswerk an der Hunrodstraße, das auch die Herkulesbahn mit Strom versorgte. E-Werk, Bahnstation und Bad lagen nur wenige Meter voneinander entfernt.

Ausbau bis Kirchweg

Während die Geschichte des ersten Kasseler Hallenbades 1918 endete, als das Elektrizitätswerk seinen Betrieb einstellte, hatte die Herkulesbahn ihre Zukunft noch vor sich. Während die erste Strecke vom Palmenbad über Dönche und Druseltalstraße in Richtung Herkules führte, wurde das Netz immer weiter ausgebaut. Bereits 1909 hatte Henkel die Strecke bis zum Kirchweg erweitert. In 30 Minuten kamen die Kasseler von dort zum Herkules. 1911 folgte eine Zweigstrecke von der Druseltalstraße über die heutige Konrad-Adenauer-Straße zur Gartenstadt Brasselsberg.

Bis heute in Teilen erhalten: Die ehemalige Talstation der Herkulesbahn, die schon immer auch Gästehaus war. Foto: Ludwig

Die größte Ausdehnung hatte die Herkulesbahn ab 1917 / 18 erreicht. Damals ließen die Eigentümer der Zeche Roter Stollen am Hohen Gras eine Strecke von der Zeche Herkules zum Hohen Gras bauen. Die Herkulesbahn übernahm den Betrieb und transportierte auch Ausflügler zum Hohen Gras. 14 Triebwagen waren nun im Einsatz.

Konkurrent in Kassel war jahrzehntelang die Große Casseler Straßenbahn AG, die im restlichen Stadtgebiet verkehrte. 1927 übernahm die städtische Straßenbahngesellschaft (später KVG) die Herkulesbahn. Beide wurden aber bis 1960 eigenständig geführt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fehlte das Geld, um die Herkulesbahn zu modernisieren. Als der Güterbetrieb der Herkulesbahn in den 60er-Jahren zunehmend unwirtschaftlich wurde, war das Ende eingeläutet. Schließlich wurden 1966 die schon länger diskutierten Pläne, die Herkulesbahn durch Busse zu ersetzen, Wirklichkeit.

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