Zwei Kasseler Experten sollen Tempel vor Schäden bewahren – „Die Plage wird kommen, wie in Kassel“

Japan hat Angst vor Waschbären

So putzig Waschbären auch sind, in Haus und Hof richten sie regelmäßig ordentliche Schäden an. Kassel gilt nach wie vor als Waschbären-Hochburg in Hessen. Foto: Archiv

Kassel/Kyoto. Wer hat Angst vor Waschbären? „Die Japaner! Kein Witz“, sagen Frank Becker und Dieter König. Eben sind die beiden Kasseler Waschbär-Experten von einer Reise aus dem fernen Inselstaat zurückgekehrt. Ihre Mission: Wertvolle Tempelanlagen, teilweise vom Rang eines Weltkulturerbes, vor Übergriffen der putzigen Plagegeister schützen.

Dass die beiden vom Fach sind, hat sich in Japan schon vor vier Jahren herumgesprochen. Jetzt kam die Einladung von der Kansai Wildlife Research Association, Dr. Mieko Kawamichi heißt die Chefin.

König und Becker flogen hin, sie hielten Vorträge, begleiteten ein Waschbären-Symposium und informierten über das, was Japan bald bevorsteht.

„Die Plage wird kommen, in etwa zehn Jahren“, sagt König von Hessen Forst „Es wird so schlimm werden wie jetzt in Kassel“, fügt Becker an, der schon seit Jahren professionell Gebäude vor Waschbär-Attacken schützt.

Den Japanern ist es ernst. Das Wissen aus Kassel, der Waschbären-Hochburg, ist ihnen heilig. Immerhin geht es um die Rettung wertvoller Kulturgüter.

„Schon jetzt fressen sich die Tiere durch die Strohdächer der uralten Tempelanlagen, sie verdrecken und zerkratzen Goldschmuck, kostbare Buddha-Skulpturen, Bilder. Und sie kommen selten allein“, sagt Becker. Jeder, der schon einmal einen Waschbären-Trupp auf dem Dachboden hatte, weiß, wovon Becker spricht.

„Die Japaner haben sich die drohende Waschbärenplage selbst eingebrockt“, schildert König. „Die Insel wäre heute immer noch waschbärenfrei, wenn nicht die US-TV-Serie ,Rascal der Waschbär’ gesendet worden wäre“. In der Folge seien massenweise Waschbären als Haustiere eingeführt worden. „Das war volles Rohr Eigentor“, sagt König.

So aber seien sie jetzt mal nach Japan gekommen. Und Becker hat jetzt schon Aufträge aus dem fernen Osten. Aber dennoch sind die beiden skeptisch: „Im Großen unterschätzen die Japaner immer noch, was auf sie zukommt.“

• Info-Anfragen per E-Mail unter: Dieter.Koenig@Forst.Hessen.de und info@waschbaerschutz.de

Von Boris Naumann

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.