Jede Menge Tipps für Entdecker: Buch zeigt 111 Orte in Kassel

Einer von 111 Kassel-Tipps: Die Roseninsel im Bergpark. Der Verein Roseninsel Park Wilhelmshöhe – hier Vorsitzender Manfred Zeckey – kümmert sich um das Rosarium. Archivfoto: Fischer

Kassel. Auch wer Kassel wirklich gut zu kennen meint, dürfte mit diesem Buch Neues entdecken. Dietmar Hoos, ein promovierter Biologe, Reiseschriftsteller und Wander-Reiseleiter, hat für die Reihe „111 Orte, die man gesehen haben muss“ im Emons-Verlag einen Kassel-Band geschrieben.

Seine Hinweise – eigentlich sind es 222, weil es zu jeder Empfehlung im Servicekasten noch einen Zusatztipp gibt – sind außerordentlich kenntnisreich. Das ist umso erstaunlicher, als Hoos keineswegs bereits Jahrzehnte in Kassel verbracht hat. Erst seit 2003 kennt er die nordhessische Metropole überhaupt, seit 2009 wohnt er hier. Von einer „Liebe auf den dritten Blick“ schreibt er im Vorwort: „Wer hier lebt, der weiß, wie lebenswert Kassel ist.“ Hoos hebt besonders hervor, welche freie, tolerante und kreative Atmosphäre die documenta hinterlassen habe.

In den vergangenen Jahren hat sich Hoos gründlich umgeschaut, und das offenkundig mit einem unbefangenen, neugierigen Blick. Ins Bild gesetzt hat die Impressionen seine Frau Susanne Hoos, eine gebürtige Kasselerin, die über 20 Jahre im Fotoarchiv der Nürnberger Zeitung gearbeitet und auch schon die Aufnahmen für Hoos’ Wanderführer Spanischer Jakobsweg im Michael-Müller-Verlag beigesteuert hat. Die Fotografin setzt oft aufs Detail, wenn sie etwa im Museum für Sepulkralkultur, in der Murhardschen Bibliothek, in der Markthalle oder auf der Wilhelmshöhe fotografiert.

Dietmar Hoos

Auch ihren Mann zeichnet diese Betonung des Besonderen aus. Hoos macht zum Beispiel nicht den Fehler, ein riesiges Kapitel über die Geschichte der documenta zu schreiben – entsprechende Publikationen gibt es ja bereits. Er greift einzelne Kunstwerke von früheren documenta-Ausstellungen heraus und stellt diese beispielhaft vor, sei es der Erdkilometer, der Laserscape, die 7000 Eichen oder das Klangkunstwerk „Three to One“ von Max Neuhaus im AOK-Gebäude, aber auch Stephan Balkenhols „Mann im Turm“ der Elisabethkirche, der 2012 so viele Schlagzeilen gemacht hat, obwohl (oder weil) er gar kein documenta-Kunstwerk war.

Jeder Tipp bekommt eine Doppelseite. Hoos wirbt für Kassel, aber er hat keine Werbebroschüre verfasst, selbst wenn er auch zu Cafés und originellen Läden rät. Die dunklen Seiten Kasseler Geschichte spart er nicht aus, er stellt etwa die Baracken des KZ-Außenkommandos im Druseltal, die NS-Architektur des Bundessozialgerichts, den britischen Niederzwehren Cemetery und den Magazinhof vor. Auch der Halitplatz kommt vor.

Ausflüge in den Landkreis hat Hoos ebenfalls unternommen. Zu den Tipps aus Kassels Nachbarkommunen gehören das Museum für die Währungsrefom in Rothwesten, die Knallhütte, Schloss Wilhelmsthal und die einsame Autobahnbrücke im Söhrewald, wo 1944/45 Zwangsarbeiter Flugzeugmotoren produzierten. Foto: nh

 

Dietmar Hoos: 111 Orte in Kassel, die man gesehen haben muss. Emons, 240 Seiten, 16,95 Euro,

Wertung: fünf von fünf Sternen 

Dietmar Hoos stellt sein Buch am Samstag, 23. April, 15 Uhr, in der Brencher-Buchhandlung, Wilhelmshöher Allee 273, vor. Eintritt 8 Euro inkl. Kaffee und Kuchen. Karten: Tel. 0561/35643.

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