Ausstellung eröffnet im neuen Stadtmuseum

Jedes Bild erzählt Stadtgeschichte: Fotos aus Nachlass der Fotografenfamilie Eberth

Frühjahrsmesse 1952 auf dem Friedrichsplatz: Hinten ist das im Krieg beschädigte Staatstheater zu sehen, das zwei Jahre später abgerissen wurde. Der Verkaufspavillon vorn wurde nach der Ausstellugnm wieder abgebaut.

Kassel. Ab dem Wochenende ist im neuen Turm des Stadtmuseums eine Ausstellung mit herausragenden Bildern aus dem Archiv der Fotografenfamilie Eberth zu sehen.

Der Name Carl Eberth war in Kassel eine Institution. Eberth hat Kaiser Wilhelm II. fotografiert und die Wäscherinnen auf der Bleiche an der Fulda. Unter dem Namen Carl Eberth findet man auch im HNA-Archiv Aufnahmen von Philipp Scheidemann, von Aufmärschen der Nationalsozialisten, von der Zerstörung und dem Wiederaufbau. Das deutsch-deutsche Treffen zwischen Willy Brandt und Willi Stoph im Schlosshotel wurde ebenso mit Eberth-Fotos dokumentiert wie diverse documenta-Ausstellungen und Umzüge beim Zissel. Niemand sonst hat Kassels jüngere Geschichte so akribisch mit Fotos illustriert wie Carl Eberth senior (1882-1955) und sein gleichnamiger Sohn, der 1991 im Alter von 81 Jahren starb. Ein Querschnitt dieser Arbeit ist ab dem Wochenende in einer mit Spannung erwarteten Ausstellung des Stadtmuseums zu sehen.

Vor der Haustür: Die Aufnahme von der Hohenzollernstraße (heute Friedrich-Ebert-Straße) machte Carl Eberth senior im Jahr 1935. In dem Haus ganz rechts hatte er damals sein Fotolabor. Daneben ist die Landesversicherungsanstalt zu sehen, die im Volksmund Klebepalast genannt wurde.

Die ist das Ergebnis einer erfolgreich bewältigten Herkulesaufgabe. Ein Teil der älteren Aufnahmen aus dem Archiv des Seniors wurde zwar in der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 zerstört, vieles blieb aber erhalten. Ungezählte Filmrollen mit Negativen lagerten lange kaum beachtet im Keller des Fotogeschäfts an der Friedrich- Ebert-Straße. Im Jahr 2006 hat das Stadtarchiv den Eberth-Nachlass erworben und in mehreren Etappen digitalisiert. Es geht dabei um 80.000 Fotos, Negative und Dias, deren Motive nicht immer auf den ersten Blick zuzuordnen waren. Jetzt ist der größte Teil der Arbeit geschafft. In einem Gemeinschaftsprojekt von Stadtarchiv und Stadtmuseum wird ab Samstag, 16. April, eine Auswahl der Eberth-Fotos im Neubau des Stadtmuseums zu sehen sein. Einige typische Beispiele zeigen wir auf dieser Seite.

Es gibt allerdings noch viel mehr - und auch diese Fotos sollen nicht im Verborgenen bleiben. „Wir wollen das gesamte Material für die Öffentlichkeit zugänglich machen“, sagt der Leiter des Kasseler stadtarchivs, Dr. Stephan Schwenke. Ab dem Wochenende werden die meisten der Eberth-Bilder im Internet zu sehen sein. Die Datenbank dazu soll mit der Eröffnung der Ausstellung im Stadtmuseum freigeschaltet werden.

Buch zur Ausstellung

Ab dem Wochenende ist zudem das Buch zur Ausstellung auf dem Markt. Die Texte dazu hat der ehemalige stellvertretende Leiter des Stadtmuseums, Dr. Alexander Link, verfasst.

Die Eberth-Ausstellung soll schon einmal Lust auf das neue Stadtmuseum machen. Das öffnet mit allen Ausstellungsstücken, darunter dem großformatigen Modell der zerstörten Stadt, am Samstag, 18. Juni. Bis zu diesem Zeitpunkt ist der Besuch der Austellung kostenlos.

Stadtmuseum, Ständeplatz 16, Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 12 bis 17 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr.

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