Sieben Wochen ohne Süßes - Das sagen Kasseler

Jetzt wird's ernst: Heute beginnt die Fastenzeit

Jetzt wird es ernst: Die närrische Zeit ist am Aschermittwoch offiziell vorbei. Heute beginnt die Fastenzeit. Archivfoto: dpa

Kassel. Mit dem Aschermittwoch geht die fünfte Jahreszeit heute zu Ende, die Fastenzeit beginnt. Doch nehmen die Kasseler die 40 Tage zum Anlass und verzichten auf Liebgewonnenes?

Wir haben in der Innenstadt einige Meinungen eingeholt:

40 Tage auf Dinge wie Fleisch, Süßigkeiten oder Fernsehen zu verzichten, kommt für den Großteil der Kasseler nicht in Frage. „Wir haben da noch nie mitgemacht“, erzählen zum Beispiel Norbert (71) und Doris (68) Balters. Auch Edeltraud Herwig (62) sagt: „Nein, ich verzichte während der Fastenzeit auf nichts.“ Katja Seling (17) will in den kommenden Tagen ebenfalls keine Abstriche machen. Bei der Fastenzeit habe sie aber schon einmal mitgemacht: „Vor ein paar Jahren habe ich 40 Tage keine Schokolade gegessen.“

Ähnliches berichtet auch die 25-jährige Studentin Natascha Müller. „Ich habe die Zeit schon einmal genutzt und auf Süßes verzichtet, aber diesmal mache ich nicht mit.“ Die Fastenzeit findet die Studentin aber sinnvoll. „Man lernt durch den Verzicht Dinge viel mehr zu schätzen.“ Woher der Ursprung der Zeit kommt, kann Müller, genau wie der Großteil der Befragten, aber nicht beantworten. Von 20 Passanten, die wir in der Innenstadt zum Ursprung der Fastenzeit befragt haben, kannten lediglich drei Jugendliche zwischen 17 und 18 Jahren die biblische Herkunft.

Pfarrer Peter Strenger von der Katholischen Pfarrgemeinde Herz Mariae verwundert das Ergebnis nicht. „Viele können mit dem biblischen Ursprung gar nichts anfangen. Die denken bei der Fastenzeit immer nur an weniger essen.“ Eigentlich seien die 40 Tage aber dafür da, sich zu besinnen und aufs Osterfest vorzubereiten, sagt Strenger. „Man spricht auch von österlicher Bußzeit, in der man fastet, teilt und für andere da ist.“ Viele hätten aber heute gar keine Verbindung mehr zu Kirche und Glauben. „Deshalb wird die Fastenzeit auch gar nicht mehr so wahrgenommen. Die meisten, die heute fasten, tun das nicht aus Gründen des Glaubens.“

So geht es auch Marion Schmid (59). Sie macht jedes Jahr bei der Fastenzeit mit. „Ich verzichte immer 40 Tage lang konsequent auf Süßes. Das fällt mir auch nicht schwer.“

Hintergrund: Verzicht auf Liebgewonnenes

40 Tage lang, von Aschermittwoch bis Karsamstag, dauert traditionell die Fastenzeit im Christentum. Ausgenommen sind die Sonntage. Sie sollen Erholung bringen. Das Fasten folgt dem Vorbild Jesu Christi. Er soll 40 Tage in der Wüste gefastet und jeglichen Versuchungen des Teufels widerstanden haben. Die Zahl 40 hat in der Bibel eine besondere Bedeutung und kommt immer wieder vor. Beispielsweise wanderte Elias 40 Tage zum Berg Horeb und Moses blieb 40 Tage auf dem Berg Sinai.

Mit der Fastenzeit sollen sich die Christen auf die Feier des Todes und der Auferstehung Christi vorbereiten. Sie sollen durch den Verzicht auf Liebgewonnenes Körper und Geist reinigen und sich von Sünden befreien.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.