Junge Flüchtlinge machten Malerpraktikum und erzählten ihre Geschichte

Versuchten sich im Malerhandwerk: Ermias Indrias aus Eritrea (von vorne), Obaidullah Mangal aus Afghanistan und Mansour Bakari aus Syrien. Foto: Dessauer

Es könnte der Start in ein neues berufliches Leben gewesen sein. Acht jugendliche Geflüchtete zwischen 16 und 18 Jahren nutzten das Angebot der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft, sich unter fachlicher Anleitung im Handwerk zu probieren.

In den Pausen hatte jeder von ihnen eine ganz eigene tiefschürfende Geschichte zu erzählen. Mansour Bakari fühlt sich wohl. Das sieht man seinem breiten Grinsen an. Seit etwas mehr als einem Jahr ist der 18-jährige Syrer in Kassel. Mit ihm sind vier seiner Geschwister nach Deutschland gekommen. Fünf Weitere sowie seine Eltern sind aber noch in Syrien. Kontakt gibt es selten. Einen Tag vor dem Gespräch mit unserer Zeitung ist in seiner Heimatstadt Amude wieder eine Bombe explodiert. Ob es seiner Familie gut geht, weiß Mansour noch nicht. Trotzdem ist er zuversichtlich, glaubt daran, dass sie wohlauf sind und ist dankbar für die Perspektive, die Chance auf ein neues Leben, die ihm hier in Kassel geboten wird.

Pilotprojekt in der Region

Gemeinsam mit sieben anderen Flüchtlingen im Alter zwischen 16 und 18 hat Mansour an einem Malerpraktikum der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (GWG) der Stadt Kassel teilgenommen. In drei Wochen gestalteten sie die Flure der Friedrich-Wöhler-Schule im Philosophenweg neu. „Ich kann alles malen“, sagt Mansour selbstbewusst. In seiner Heimat habe er seinem Vater häufig bei solchen Arbeiten geholfen. In einer Zeit, als es bereits zu unsicher war, noch zur Schule zu gehen. Initiiert wurde das Pilotprojekt der GWG gemeinsam mit der Stadt Kassel, dem Malerunternehmen Christ aus Schauenburg und dem Stukkateurbetrieb Heinrich Luckey aus Kassel.

Der Geschäftsführer der GWG, Peter Ley, erklärt nach den drei Wochen: „Wenn wir nicht nur einen Praktikumsplatz generieren, sondern auch Interesse an dem Beruf wecken konnten, ist das das Optimale dessen, was wir hier erreichen konnten.“

Stadtkämmerer Christian Geselle (SPD) sehe in den acht Jugendlichen ein hervorragendes Beispiel dafür, dass der eingeschlagene Weg der richtige zur Integration von Geflüchteten sei.

Linksverteidiger aus Eritrea

Zu den Praktikanten gehört auch Ermias Indrias (18) aus Eritrea. Sein Weg nach Europa führte ihn über den Sudan, Libyen und Lampedusa. Seit einem Jahr lebt er in Kassel. Seine Familie hat er zum letzten Mal vor drei Jahren gesehen. Telefonisch hält er Kontakt. In Kassel komme er allmählich an. Er trainiere seit kurzem mit dem Fußballteam der TSG Wilhelmshöhe. Meist spiele er als linker Verteidiger. Seit er vierzehn Jahre alt war, arbeitete Ermias in einer Metallbaufirma in Eritrea. Er hofft, nach einer Ausbildung, auch in Deutschland wieder mit Metall arbeiten zu können.

Mansour Bakari kann sich mittlerweile einen Job als Maler vorstellen. Vielleicht aber auch als Übersetzer für neu angekommene Flüchtlinge, wenn sein Deutsch noch besser ist.

Den ersten Schritt, auch beruflich in Deutschland anzukommen, haben die Jugendlichen nun mit dem Praktikum getan. Laut GWG werden derzeit 270 unbegleitete minderjährige Ausländer in verschiedenen Einrichtungen in Kassel betreut.

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