Jungfernkopf und Harleshausen fordern Erhalt der Fußgänger-Unterführung

Bahn: Sanierung der Eisenbahnbrücke beginnt erst 2018

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Sorge um Erhalt der Unterführung: Ortsvorsteher Christian Unverzagt (links) und Reinhard Wintersperger (Harleshausen) wollen verhindern, dass die Bahn den Tunnel unter den Gleisen schließt. Viele Spaziergänger und Radfahrer nutzen die Verbindung.

Kassel. Meist wird geschimpft, wenn sich bei der Deutschen Bahn (DB) etwas verzögert. Am Jungfernkopf und in Harleshausen dürfte hingegen Erleichterung herrschen über diese Nachricht:

Die Bahn verschiebt die eigentlich für dieses Jahr geplante Sanierung der Eisenbahnbrücke über den Geilebach auf 2018. Das teilte eine DB-Sprecherin auf Anfrage der HNA mit. Mit dem Bauvorhaben steht die Unterführung für Fußgänger und Radfahrer unter den Gleisen zur Disposition. Noch ist unklar, ob sie erhalten bleiben kann. Die beiden Stadtteile wollen verhindern, dass die rege genutzte Verbindung dicht gemacht wird.

Die Sanierung

Das in die Jahre gekommene Brückenbauwerk, auf dem die Gleise verlaufen, muss nach Angaben der Bahn komplett erneuert werden, da die Standsicherheit dauerhaft nicht gewährleistet sei. In dem alten Gewölbe, auf dem eine breite Erdschicht laste, versickere Wasser. Über die Jahre könnten sich daher die Fugen zwischen den Steinen lockern. Die Betriebssicherheit sei aber nach wie vor gewährleistet, betonte die Bahnsprecherin. Die Pläne für das Bauprojekt seien zuletzt nochmals überarbeitet und auf 2018 verschoben worden. Man rechne mit Kosten in Höhe von 940.000 Euro.

Der Tunnel

Laut Bahn werden noch mehrere Varianten für die Erneuerung der Eisenbahnüberführung untersucht. Eine davon sehe vor, dass die Querungsmöglichkeit für Fußgänger erhalten bleibe. Es könnte aber auch sein, dass einfach eine Röhre für den Bach in das neue Bauwerk gelegt wird und der Durchlass für Fußgänger entfällt. „Welche Variante zum Tragen kommt, werden die weiteren Gespräche mit allen Beteiligten, auch mit der Stadt Kassel, ergeben“, so die Bahn-Sprecherin.

Die Stadt hingegen hatte dem Ortsbeirat Jungfernkopf bereits Ende 2015 mitgeteilt, dass der Erhalt der Wegeverbindung nicht möglich sei, weil der Kostenbeitrag der Stadt dafür zu groß sei. Er liegt nach vorsichtigen Schätzungen bei 1,5 bis zwei Mio. Euro, hieß es auf Anfrage der HNA aus dem Rathaus. Es liefen aber weiter Abstimmungsgespräche mit der Bahn.

Der Protest

Die Ortsbeiräte Jungfernkopf und Harleshausen fordern den Erhalt der Unterführung. Der Weg werde von Radfahrern, Spaziergängern und Gassigehern aus beiden Stadtteilen rege genutzt. Werde der Tunnel dicht gemacht, bedeute das eine Trennung des Stadtteils, sagt der Jungfernköpfer Ortsvorsteher Christian Unverzagt. Die nächsten Möglichkeiten, die Gleise zu queren, sind die Verkehrsunterführung an Schenkebier Stanne und die Brücke am Bahnhof Harleshausen (Wolfhager Straße). Der Durchlass sei unverzichtbar für die Naherholungsfunktion des Geilebachgrünzugs, ergänzt Reinhard Wintersperger, Harleshäuser Ortsvorsteher. Zudem sei es widersinnig, einerseits viel Geld in die Renaturierung der Geile zu stecken und den Bach an anderer Stelle wieder unterirdisch in eine Rinne zu quetschen. Zum Glück bleibe bis 2018 noch etwas mehr Zeit, um das zu verhindern, sagt Unverzagt: „Ich bin bereit, jedweden Protest zu organisieren.“

Durchlass gehört der Bahn

Die Bahnüberführung und der Durchlass darunter befinden sich im Eigentum der Deutschen Bahn. Die Nutzung des Weges entlang des Bachs ist durch einen Gestattungsvertrag zwischen Bahn und Stadt geregelt. Dieser kann von beiden Parteien gekündigt werden. Die Bahn ist lediglich verpflichtet, den Durchfluss der Geile zu gewährleisten. 2009 hatte die Stadt 34.000 Euro in den Umbau des Weges investiert, sodass er für Fußgänger und Radfahrer gefahrlos nutzbar ist. 

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