Nur drei der 50 Kirchenparlamentarier befürworten die Idee

Kirche sagt Nein zu 1000-Euro-Prämie für viele Eintritte

Kassel. Eine Erfolgsprämie für Kirchengemeinden, die besonders viele Eintritte und wenige Austritte haben - das wird es in Kassel nicht geben. 

Einen entsprechenden Vorschlag der Kirchengemeinde am Jungfernkopf hat die evangelische Stadtsynode am Mittwochabend mit großer Mehrheit abgelehnt. Nur drei der 50 Kirchenparlamentarier befürworteten die Idee.

Wie berichtet, hatte die Gemeinde Jungfernkopf beantragt, dass künftig jedes Jahr die Gemeinde mit der besten Eintrittsbilanz 1000 Euro für ihre Arbeit mit Ehrenamtlichen bekommen soll. Dazu sollten prozentual zur Gemeindegröße die Ein- und Austrittszahlen in allen 22 Gemeinden berechnet und miteinander verglichen werden. Die Eintrittsbilanz ist dabei allerdings eher eine Austrittsbilanz: Alle Gemeinden haben im vergangenen Jahr mehr Mitglieder verloren als gewonnen.

Arno Wilke

„Mit den Austritten gehen Ressourcen verloren, um Gebäude zu unterhalten, Personal anzustellen und kirchliche Arbeit zu leisten“, erläuterte Pfarrer Arno Wilke vom Jungfernkopf den Antrag vor der Synode. Mit dem jährlichen Bonus solle ein Anreiz gesetzt werden, Mitglieder zu werben und zu halten. Mit dem Zuschuss sollten Gemeinden, die hier besonders engagiert seien, gewertschätzt werden.

C. Köstner- Norbisrath

Mit der Idee stieß er auf wenig Gegenliebe bei den Synodalen. Es sei zwar ehrenwert, dass der Kirchenvorstand Jungfernkppf sich Gedanken mache, wie man Gemeinden attraktiv halten könne, sagte Pfarrer Carsten Köstner-Norbisrath (Friedenskirche, Vorderer Westen). Die Anzahl der Kircheneintritte seien dabei aber kein gutes Kriterium. Die Gemeinde habe oftmals gar keinen Einfluss auf die Ein- oder Austrittsentscheidungen von Menschen. Zudem halte er die Herangehensweise mit einem finanziellen Anreiz für falsch, sagte Köstner-Norbisrath: „Dass Gemeinden in einen Wettstreit um 1000 Euro treten, wird auch in der Öffentlichkeit nicht gut ankommen.“

Sabine Kresse

Gemeinden dürften nicht zu Konkurrenten werden, sagte auch Pfarrerin Sabine Kresse (Erlöserkirche, Harleshausen). „Wir werben alle für Kircheneintritte - in welcher Gemeinde ist zweitrangig.“ Zudem gelte es, 1000 Euro nicht als Belohnung zu verteilen, sondern dorthin zu geben, wo sie gebraucht werden.

Rubriklistenbild: © Herzog, Jochen

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