Wohnheim für jugendliche Flüchtlinge am Jungfernkopf geht am Montag in Betrieb

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Neues Zuhause für jugendliche Flüchtlinge: Erzieherin Jasmin Graw vom neunköpfigen Betreuerteam der Hephata richtet die Betten für die Jungen her, die nächste Woche in das Wohnheim am Jungfernkopf einziehen.

Kassel. Die Betten sind gemacht, ein Täfelchen Schokolade auf dem Kopfkissen soll das Willkommen versüßen. Anfang Januar ziehen die ersten Jugendlichen in dem neuen Wohnheim für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) am Jungfernkopf ein.

Acht Jungen aus Syrien, Afghanistan und Eritrea werden am kommenden Montag erwartet. Bis zum Ende der Woche sollen 13 Betten belegt sein.

Insgesamt werden 16 Plätze in dem Heim zur Verfügung stehen, das die Jugendhilfe Hephata betreibt. Noch sind die Renovierungsarbeiten aber nicht ganz abgeschlossen. Weil im Obergeschoss noch eine Feuerleiter angebracht werden muss, können die dortigen Zimmer vorerst nicht belegt werden.

Seit September wird das „Haus am Wäldchen“ renoviert. Dort befand sich bis zum Sommer ein Wohnheim für psychisch Kranke, das vom Betreiber aus Altersgründen geschlossen wurde. Für die neue Einrichtung mussten unter anderem der Brandschutz auf den neuesten Stand gebracht sowie die Bäder erneuert und eine neue Küche eingebaut werden. Komplett erhalten ist hingegen das ehemalige Wohnzimmer - samt Sitzecke, Fernseher und Grünpflanzen.

16 Plätze in Doppelzimmern

Wohnzimmer ist unverändert: In dem Haus wohnten früher psychisch Kranke. Die Einrichtung wurde im Sommer aus Altersgründen geschlossen.

Die Jugendlichen werden in Doppelzimmern untergebracht. Bett, Nachttisch, Schrank, Tisch, Stuhl - noch sehen die Zimmer sehr nüchtern aus. „Wenn die Jugendlichen anfangen, Poster aufzuhängen und ihr Zimmer zu gestalten, wissen wir, dass sie angekommen sind“, sagt Henning Wienefeld, UMF-Fachberater der Hephata Diakonie.

Die Jugendlichen, die von der Hephata betreut werden, sind in der Regel zwischen 15 und 17 Jahre alt. Vorerst werden in dem Haus am Jungfernkopf nur Jungen untergebracht. Derzeit kämen nur noch wenig Mädchen an, berichtet Wienefeld. Er schätzt den Anteil auf zehn Prozent. Das liege vermutlich daran, dass die Flucht immer gefährlicher werde.

Die meisten Jungen, die jetzt in die neue Einrichtung kommen, seien bereits seit einigen Wochen in Kassel, sagt Wienefeld. Sie waren bisher vorläufig in Inobhutnahme-Einrichtungen untergebracht und werden jetzt in das Wohnheim verlegt. Alle besuchten entweder einen Sprachkurs oder bereits eine Schule.

Ein neunköpfiges sozialpädagogisches Team um die beiden Wohngruppenleiter Timo Ringelberg und Astrid Nuhn kümmert sich um die Jugendlichen. Zusätzlich gibt es eine Hauswirtschafterin, die für ein warmes Essen sorgt, wenn die Jungen aus der Schule kommen. Abends bereiten sie gemeinsam ein Essen zu. „Meist ist das auch etwas Warmes, das deutsche Abendbrot kommt anfangs noch nicht so gut an“, sagt Wienefeld und lacht.

Einige Bewohner aus dem Stadtteil haben bereits Unterstützung für die Jugendlichen angeboten. Sachspenden werden derzeit nicht benötigt. Wer Nachhilfe geben oder Freizeitangebote machen möchte, kann sich bei der Hephata melden. Kontakt:

timo.ringelberg@hephata.de

Hintergrund

Allein geflüchtete Minderjährige, die ohne Begleitung von Angehörigen nach Deutschland kommen, werden nach den Vorgaben der Jugendhilfe behandelt - wie einheimische Jugendliche, die nicht in ihrer Familie leben. Sie werden nicht in regulären Asylbewerberheimen untergebracht, sondern in rund um die Uhr betreuten Wohngruppen.

In Kassel betreibt die Hephata Diakonie im Auftrag der Stadt bereits drei Wohngruppen in der Nordstadt (2) und in Harleshausen. Zudem gibt es in der Kita in Bettenhausen und in einem Hotel in Waldau zwei Inobhutnahmestellen für die vorübergehende Unterbringung. Aktuell gibt es etwa 200 unbegleitete jugendliche Flüchtlinge in Kassel.

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