Drücker-Kolonnen werben Stromkunden: Städtische Werke drohen RWE mit Klage 

Erlaubt, aber nicht immer sauber: Haustürgeschäfte. Sie können binnen 14 Tagen widerrufen werden. Archivfoto: nh

Kassel. Die Städtischen Werke AG haben dem Essener Energieriesen RWE eine Klage angedroht und fordern eine Unterlassungserklärung von ihm. Der Grund: Drücker-Kolonnen.

Nach Angaben des kommunalen Unternehmens sind die im Auftrag des Essener Energieriesen im Stadtgebiet unterwegs, die sich fälschlicherweise als Mitarbeiter der Stadtwerke ausgeben, vorgeben wegen „Strompreissenkungen“ unterwegs zu sein, und teils forsch und rabiat Stromkunden zum Wechsel des Versorgers nötigen.

Laut Stadtwerke hat erstmals eine betroffene Kundin eine eidesstaatliche Erklärung darüber abgegeben, dass sie von Vertrieblern zum Anbieterwechsel gedrängt und regelrecht zum Vertragsabschluss mit dem Essener Konzern überrumpelt worden sei.

Stefan Welsch

Stadtwerke-Vertriebsvorstand Stefan Welsch glaubt nicht an Fehlverhalten Einzelner. „Das scheint ein systematisches Vorgehen zu sein zu behaupten, man komme vom lokalen Versorger, um das Vertrauen der örtlichen Kunden ins eigene Stadtwerk auszunutzen.“ In diesem Zusammenhang verweist Welsch auf ähnliche Vorkommnisse in Northeim, wo sich RWE-Vertriebler wiederholt als Partner der dortigen Stadtwerke SWN ausgegeben haben. Vor zwei Jahren hatten sie eine einstweilige Verfügung gegen RWE erwirkt.

RWE-Sprecher Mario Leikop bestätigt, das Dienstleister im Auftrag seines Unternehmens in Kassel unterwegs sind. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie sich als Mitarbeiter der Städtischen Werke ausgeben, kann es aber auch nicht ausschließen“, erklärte er auf Anfrage der HNA.

Gleichzeitig weist er den Vorwurf zurück, dass deren Vorgehen systematisch sei. „Derartige Praktiken gehören nicht zu unserem Geschäftsgebaren.“ RWE werde die Vorwürfe prüfen und die betreffenden Personen gegebenenfalls nachschulen oder „andere Maßnahme ergreifen“. Wer für RWE unterwegs sei, müsse sich ausweisen und ein Autorisierungsschreiben des Auftraggebers vorzeigen.

Welsch betont unterdessen, dass man mit dem jetzigen Vorgehen nicht den Wettbewerb ausbremsen wolle. Er sei gut und gewollt. Aber die jüngsten Vorkommnisse seien wettbewerbs- und gesetzeswidrig. Ein Kunde habe berichtet, dass die Drücker derart rüpelhaft aufgetreten seien, dass er die Polizei zur Hilfe gerufen habe.

Die Stadtwerke Kassel betonen, dass deren Mitarbeiter nicht hausierten, weisen darauf hin, dass alle Haustürgeschäfte binnen vierzehn Tagen widerrufen werden können, und bitten alle Kunden, sich bei ihnen zu melden, wenn sie mit dem „Stadtwerketrick“ hereingelegt oder konfrontiert worden seien.

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