Plakat am Kulturbahnhof

Jesus-Karikatur empört die Kirche

Karikaturen-Streit: Kirche findet Bild am Kuba verletzend

Kassel. Wegen einer Karikatur an der Fassade des Kulturbahnhofs, mit der die Caricatura für ihre aktuelle Ausstellung wirbt, ist eine Auseinandersetzung zwischen den Kasseler Kirchen und den Ausstellungsmachern entstanden.

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Evangelische und katholische Kirche sowie die Freikirchen und die orthodoxe Kirche sehen die religiösen Gefühle von Christen verletzt und fordern, die Werbung abzuhängen. Es handele sich um eine eindeutige und ärgerliche Grenzüberschreitung.

Aktualisiert umn 17.43 Uhr

Die Karikatur des Künstlers Mario Lars zeigt den ans Kreuz genagelten Jesus. Aus dem Himmel kommt eine Sprechblase, in der zu lesen ist: „Ey... du... Ich habe deine Mutter gefickt“. Dechant Fischer sagt im HNA-Gespräch, dass er Karikaturen und Satire grundsätzlich für sinnvoll halte. Auch Kirche und Religion müssten es aushalten, wenn der Papst und die Kirche aufs Korn genommen werden. Durch den weithin sichtbaren Ausstellungshinweis würden aber zentrale Glaubensinhalte angegriffen. Dies gehe zu weit.

Die Freiheit der Kunst sei zwar ein hohes und wichtiges Gut der Gesellschaft, aber es gebe auch ein Recht darauf, in der Ausübung seiner Religion nicht verletzt zu werden.

Stadtdekanin Barbara Heinrich von der Evangelischen Kirche hat ebenfalls grundsätzlich nichts dagegen, wenn Kirche Thema von Karikaturen ist. Allerdings ziele das Plakat nicht auf die Eigenheiten von Amtsträgern der Kirche, sondern ins Zentrum des Glaubens. Deshalb würden alle christlichen Kasseler Kirchen die Caricatura in einem Brief auffordern, das Bild zu entfernen. Viele Gläubige, die sich durch das Motiv verletzt fühlten, hätten sich bei ihr gemeldet.

Martin Sonntag, Geschäftsführer der Caricatura, ist überrascht von der Haltung der Kirchen. „Unser Ansatz ist es nicht, die Geschmacksgrenzen zu verletzten. Aber es liegt im Wesen von Karikaturen, dass sie nicht allen Betrachtern gefallen“, sagt Sonntag. Kunst sei eine höchst subjektive Angelegenheit. In der Vergangenheit habe die Caricatura häufig religiöse Inhalte aufgegriffen, worauf es immer auch wieder Kritik gegeben habe.

„Wir können aber nicht bei jeder Beschwerde die betreffenden Karikaturen entfernen. Wenn wir ein Bild abhängen, müssten wir alle abhängen, denn schon morgen wird jemand kommen, der sich über einen Witz ärgert, den er frauenfeindlich findet“, sagt Sonntag. Dann lande die komische Kunst am Ende auf dem Schmunzelniveau der 50er-Jahre. Wenn die Caricatura immer auf alle gesellschaftlichen oder religiösen Weltanschauungen achte, dann könne sie dicht machen. Klar sei: „Das Plakat wird nicht abgehangen.“

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