Er stellt alle anderen Tattookünstler in den Schatten

Daniel Meyer aus Kassel ist der beste Tätowierer von Los Angeles

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Lebt jetzt in Los Angeles: Daniel Meyer aus Kassel ist in den USA ein erfolgreicher Tätowierer. Ein Stadtmagazin kürte ihn sogar zum besten Tattoo-Künstler der Stadt.

Kassel/Los Angeles. Der erfolgreichste Tätowierer von Los Angeles ist kein Amerikaner, sondern ein waschechter Kasseler.

Der 31-jährige Daniel Meyer wurde jetzt vom amerikanischen Stadtmagazin LA-Weekly zum besten Tattookünstler des Jahres 2015 gekürt. Seit Januar vergangenen Jahres wohnt und arbeitet Meyer in Los Angeles.

Herr Meyer, Sie waren bereits in Kassel erfolgreich mit Ihrer Tattookunst. Haben Sie geahnt, dass Ihre Tattoos auch in Amerika gut ankommen?

Daniel Meyer: Um ehrlich zu sein, habe ich mich darauf eingestellt, dass das Geschäft viel schwieriger und langsamer anlaufen würde. Deshalb habe ich mir Reserven angeschafft. Aber zu meinem Erstaunen lief alles viel besser als erwartet. So gut sogar, dass ich von der LA-Weekly zum besten Tätowierer der Stadt 2015 gewählt wurde. Dafür bin ich sehr dankbar!

Das klingt, als brummt das Geschäft in Ihrem Atelier.

Bei der Arbeit: Daniel Meyer tätowiert ausschließlich in schwarz-weiß.

Meyer: Das Geschäft läuft sehr gut, ich bin äußerst zufrieden. Ich sehe es als Privileg, dass ich in meinem eigenen Atelier arbeiten kann. Außerdem mache ich regelmäßig Guest-Spots im Outer Limits in Long Beach. Den Shop gibt es durchgehend seit 1927 und ist das älteste Studio der USA. Es kommen auch einige Kunden aus Deutschland. Es ist ein schönes Gefühl, wenn ich mich mal in einer Muttersprache unterhalten kann.

Was unterscheidet Sie von anderen Tätowierern?

Meyer: Ich glaube, meine Kunden wissen es zu schätzen, dass ich ein Mensch bin, der einfach seiner Überzeugung folgt. Das spiegelt sich in meinen Designs wieder, in meinem Umgang mit Menschen, als auch in anderen künstlerischen Projekten außerhalb des Tätowierens. Ich habe nicht wirklich auf dem Schirm, was andere Tätowierer gerade machen, oder was gerade „in“ oder „out“ ist. Ich versuche einfach meinem Weg treu zu bleiben und meine Fähigkeiten dahingehend zu perfektionieren.

Was war das außergewöhnlichste Tattoo, das Sie bisher gestochen haben?

Meyer: Das war noch in Kassel. Im Tausch gegen einen Kasten Bier habe ich ein Genital schwarz tätowiert. Klingt simpel, ist aber technisch viel schwerer als man es sich vorstellen kann. Zum Glück war seine Schmerztoleranz extrem hoch.

Seit Januar 2015 sind Sie jetzt in Amerika. Ist Ihnen der Abschied schwer gefallen?

Meyer: Ja und nein. Ich wusste immer, dass ich in den USA leben werde, darum war es einfach der nächste Schritt für mich. Natürlich ist es schwer, seine Familie und Freunde zurück zu lassen. Aber zum Glück kann man mit der heutigen Technologie einfach in Kontakt bleiben.

Was vermissen Sie bis auf Freunde und Familie noch in den USA?

Meyer: Abgesehen von Kinderschokolade und dem metrischem System, vermisse ich manchmal die alten Kulturgüter, die man in Deutschland hat. Alte Burgen und Architektur. Los Angeles ist eine sehr junge Stadt.

Kennen die Amerikaner Kassel?

Detailgenau: Bei seinen Tattoos setzt Daniel Meyer auf äußerste Präzision. Bis zu zwei Monate müssen seine Kunden auf einen Termin im Studio in Los Angeles warten.

Meyer: Da ich schon in Kassel regelmäßig Kunden aus den USA hatte, haben sich einige schon über die Stadt informiert. Die kurioseste Geschichte, die mir passiert ist, war in einem Supermarkt in Pennsylvania. Die Kassiererin hat mich auf meinen deutschen Akzent angesprochen und gefragt, von wo aus Deutschland ich komme. Als ich „Kassel“ geantwortet habe, sagt sie auf einmal: „Oh yes, the city with the Raccoon invasion“ (Die Stadt mit der Waschbär-Schwemme). Bis zu diesem Zeitpunkt war mir gar nicht so bewusst, dass Kassel für seine Waschbären so bekannt ist.

Wie oft sind Sie noch in Kassel?

Meyer: Bisher hatte ich noch nicht die Möglichkeit, meine Freunde in Kassel zu besuchen, da ich alle meine freien Tage dafür nutze, um meine neue Heimat zu erkunden. Wahrscheinlich werde ich Ende des Jahres oder Anfang nächsten Jahres einen Besuch einplanen.

Würden Sie Ihren amerikanischen Freunden eine Reise nach Kassel empfehlen?

Meyer: Auf jeden Fall. Ich würde jedem empfehlen den Bergpark und der Orangerie einen Besuch abzustatten. So etwas gibt es hier leider nicht und man sollte es mindestens einmal im Leben gesehen haben.

Zur Person

Daniel Meyer (31) ist ein Tätowierer aus Kassel. Hier arbeitete er unter anderem in der Villa Dunkelbunt und machte sich mit seiner schwarz-weißen Tattookunst schnell einen Namen. Bevor er Tätowierer geworden ist, arbeitete Meyer als selbstständiger Mediengestalter. Im Januar 2015 wanderte er nach Los Angeles aus und eröffnete dort sein eigenes Studio mit dem Namen „Leitbild“. Meyers Lebenspartnerin Sara Fabel ist ebenfalls eine bekannte Tätowiererin in Los Angeles.

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