Vor Gericht

Schläger verletzten Frauen lebensbedrohlich: Rumänen sollen 10 und 13 Jahre in Haft

Kassel. Die ganze Härte des Gesetzes sollen nach Auffassung der Staatsanwaltschaft zwei Rumänen zu spüren bekommen, die im Juli 2013 in Kassel zwei damals 85 und 90 Jahre alte Frauen lebensbedrohlich verletzt und ausgeraubt haben sollen.

Beide 27-Jährige sind einschlägig vorbestraft und verbüßen bereits langjährige Strafen.

Für Julian I. forderte die Staatsanwaltschaft eine Gesamtstrafe von 13 Jahren mit anschließender Sicherungsverwahrung. Eine Woche vor der Tat in Kassel hatte der Mann in Berlin auf die gleiche Weise eine alte Frau geschlagen und ausgeraubt. Die Frau war gestorben. Für diese Tat verbüßt I. derzeit eine Haftstrafe von achteinhalb Jahren.

Anwalt Axel Dohmann, der als Nebenkläger das heute 88-jährige Opfer vertritt, forderte sogar 15 Jahre Haft und die Zahlung eines Schmerzensgeldes. Die Töchter der Frau verfolgten den Prozess vor der 11. Strafkammer des Landgerichtes und berichteten der HNA, dass ihre Mutter bis heute sowohl körperlich als auch seelisch unter dem brutalen Angriff in ihrer Wohnung leide und die Folgen wohl nie überwinden werde.

Marius D., der gegenwärtig dreieinhalb Jahre wegen Angriffs und Raubes auf einen alten Mann in Hamburg verbüßt, soll nach Meinung der Anklage insgesamt zehn Jahre hinter Gitter. Sein Verteidiger, der Hamburger Anwalt Alkan Dogan, sah das gestern in seinem Plädoyer anders. Die DNA-Spuren an den Taschen und der Kleidung der Opfer seien keine eindeutigen Beweise für die Täterschaft seines Mandanten, die belastenden Aussagen des Mitangeklagten I. seien nicht glaubwürdig. Dogan forderte Freispruch für seinen Mandanten.

So weit wollte Thorsten Weismann (Berlin), Anwalt von Julian I., nicht gehen. Auch er hatte Zweifel an der Beweisführung der Staatsanwaltschaft und sah seinen Mandanten an der zweiten Tat in Kassel nicht beteiligt. Gleichwohl habe die psychiatrische Gutachterin seinem Mandanten eine dissoziale Persönlichkeitsstörung und einen psychopathischen Hang zu Gewalttaten bescheinigt, sagte Weismann, der sich menschlich betroffen von den brutalen Taten zeigte. Er forderte für seinen Mandanten eine Gesamtstrafe von elf Jahren mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Die beiden Männer sollen laut Anklage im Juli 2013 zusammen mit einem dritten, flüchtigen Landsmann die beiden alten Frauen an deren Haustüren abgepasst und in ihre Wohnungen gedrängt haben. Dort erhielten die Frauen so furchtbare Faustschläge ins Gesicht, dass sie nur knapp überlebten. Ähnliche Taten, zu denen sie eigens von Rumänien angereist waren, hatten die Angeklagten bereits in Hamburg, Berlin und Österreich verübt.

Zumindest Julian I. nutzte gestern die Möglichkeit zum letzten Wort: Mit leiser Stimme entschuldigte er sich bei den Töchtern und den Opfern und bat das Gericht, ihm mit dem Urteil „nicht die Jugend zu nehmen“.

Die beiden Töchter des heute 88-jährigen Opfers folgten der späten Reue des Gewalttäters mit versteinerten Mienen.

Richter Dr. Martin Kolter will das Urteil der 11. Strafkammer am Montag, 6. Juni, ab 13 Uhr im Saal D 130 verkünden.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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