Zum Karfreitag

In Kassel gibt es besonders viele Monumente, die sich dem Tod widmen

Unheroisch: Am Rande der Karlsaue befindet sich das Ehrenmal zum Gedenken an gefallene deutsche Soldaten und an die Menschen, die sich dem Kriegsdienst verweigert haben. In der sogenannten Ruhmeshalle befindet sich die Plastik eines gefallenen Soldaten , die Hans Sautter in den 1920er-Jahren geschaffen hat.

Kassel. Am Karfreitag erinnern wir uns an das Leiden von Jesu am Kreuz. Zu diesem Anlass haben wir uns in der Stadt Kassel Monumente angeschaut, die sich dem Tod widmen.

Christus mit der Dornenkrone auf dem Haupt, angeschlagen ans Kruzifix, begegnet uns als Bildnis in Kirchen und an zahlreichen christlich geprägten Orten in der Stadt. Aber auch darüber hinaus ist die künstlerische Beschäftigung mit und die Darstellung von Tod und Leid in der Stadt auf Schritt und Tritt präsent.

Gerhold Eppler, der stellvertretende Leiter des Museums für Sepulkralkultur, geht sogar so weit zu sagen: „Ein Bestandteil der Identität Kassels ist die Beschäftigung mit Tod, Vernichtung, Terror, Krieg und Gewalt in Form von Kunst im öffentlichen Raum.“ Einen entsprechenden Vortrag zum Thema „Tod, Kunst, Kassel“ hielt er jetzt vor Mitgliedern des Hospizvereins.

Gerold Eppler

Allein das Sepulkralmuseum, das sich zum Ziel gesetzt hat, das gesellschaftlich oft verdrängte Erlebnis des Todes ins Bewusstsein zu rücken, sowie die in ihrer Art einzigartige Nekropole, des von Kunstprofessor Harry Kramer initiierten Künstlerfriedhofs in Harleshausen, deuten auf eine Besonderheit Kassels hin. Hier wird sich intensiver als anderswo inhaltlich und künstlerisch mit Tod und Sterben auseinandergesetzt.

Ein Künstler, der sich in der Nekropole schon zu Lebzeiten sein Grabmal geschaffen hat, ist Gunter Demnig. Der ehemalige Schüler Harry Kramers verlegt seit 2012 auch in Kassel Stolpersteine zur Erinnerung an die Opfer des Naziregimes. Insgesamt hat er 56.000 Stolpersteine in Europa verlegt. Jeder im Gehsteig eingelassene Stein ist ein Mal zum Gedenken an das Martyrium eines Menschen während des Naziregimes.

Für sich selbst hat Demnig am Blauen See sein Grabmal „Circuitus“ geschaffen, eine Stele, die den Kreislauf des Lebens versinnbildlichen soll.

Um ein besonders monumentales Bauwerk, das sich Tod und Krieg widmet, handelt es sich beim Ehrenmal am Rosenhang. Im Kontext der Anlage gibt es in der sogenannten Ruhmeshalle die plastische Arbeit von Hans Sautter zum Gedenken an die Opfer des 1. Weltkriegs: Es zeigt die überlebensgroße Figur eines unbekleideten jungen Gefallenen, lediglich eingewickelt in ein Tuch. Die von Professor Sautter, Leiter der Kunstgewerbeschule und SPD-Stadtverordneten, in den 1920er-Jahren, geschaffene Arbeit war den Nazis nicht heroisch genug, weshalb sie die Figur zeitweise unter einer Bodenplatte verbargen.

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