Bürgerpreis „Glas der Vernunft“ für indische Aktivistin Vandana Shiva

Applaus für die Preisträgerin: (von links) Bernd Leifeld und Prof. Hansjörg Melchior (beide Preisvorstand „Glas der Vernunft“), Vandana Shiva, Oberbürgermeister Bertram Hilgen und der Preisredner Klaus Töpfer.

Kassel. Sie zitiert ihren Landsmann Mahatma Ghandhi, der mit seinem gewaltfreien Widerstand eine Kolonialmacht in die Knie gezwungen hat. Auch Vandana Shiva hat es mit einem mächtigen Gegner zu tun. Gestern wurde Shiva mit dem Kasseler Bürgerpreis „Glas der Vernunft“ ausgezeichnet.

Den Rückenwind des Preises kann sie gebrauchen. Shiva hat den Kampf aufgenommen gegen Firmen wie den multinationalen US-Konzern Monsanto. Es seien solche Unternehmen, die mit ihren genveränderten Pflanzen die traditionelle Landwirtschaft ihres Landes bedrohten, sagt die 59-jährige Inderin. Die Patente auf das Saatgut für Reis und auch Baumwolle seien dafür verantwortlich, dass der Preis sprunghaft steige und die Selbstmordrate der verzweifelten Bauern in die Höhe treibe.

Vandana Shiva, die Trägerin des alternativen Nobelpreises, ist zu einem Symbol im Kampf für Artenvielfalt und Naturschutz geworden. Auf der Bühne des Opernhauses demonstriert Shiva, warum sie für ihre Gegner eine Gefahr ist. Herzlich, verbindlich und mit einem Lächeln geht sie auf die Menschen zu. Die 500 Besucher bei der Preisverleihung klebten an ihren Lippen.

Fotostrecke: Vandana Shiva mit "Glas der Vernunft" ausgezeichnet

Vandana Shiva erhält das Glas der Vernunft 2012

Im Vorfeld hatte es Kritik an der Auswahl der Preisträgerin gegeben. Sie kämpfe gegen Genpflanzen, die der Menschheit nützlich sein könnten. Das wies Shiva zurück. Es dürfe aber nicht sein, dass diese Technik die Artenvielfalt zunichte mache und die Bauern in den Ruin treibe. Viele Kritiker Shivas können nicht im Saal gewesen sein. Das machte der begeisterte Applaus für die Preisträgerin deutlich.

Lesen Sie auch:

- das "Glas der Vernunft" im Regiowiki

Deren Verdienste hatte zuvor der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer mit vielElan gewürdigt. Da sprach ein Bruder im Geiste, einer der die Preisrede zu einem flammenden Appell für die Arbeit Shivas machte. „Ich sehe darin keine Absage an Forschung, sondern den Kampf gegen patentiertes Wissen, das die Menschen unfrei macht“, sagte er. Mit der angeblichen Alternativlosigkeit zu genveränderten Pflanzen finde sie sich nicht ab. „Vandana Shiva ist eine der überzeugendsten Demokratinnen, die wir haben“, sagte Töpfer.

Innerhalb von acht Tagen war die indische Preisträgerin bereits zum zweiten Mal in Kassel. Am Abschlusswochenende der documenta hatte sie einen Vortrag gehalten. Kunstwerke im Ottoneum bezogen sich ausdrücklich auf sie. Kassel sei ein guter Ort, um die Diskussion über Artenreichtum fortzusetzen, sagte Vandana Shiva.

Von Thomas Siemon

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.