Ab 18. Juni im Stadtmuseum

Kassel in Schutt und Asche: Trümmermodell wieder zu sehen

Trümmermodell im Stadtmuseum: Vom Modellbau-Experten Jan Hendrik Neumann (Mitte) lassen sich Museumschef Dr. Kai Füldner (links) und Gabriela Wolff-Eichel von den Freunden des Stadtmuseums die Überarbeitung des Modells erläutern. Foto: Koch

Kassel. Was von der Stadt nach 40 Luftangriffen während des Zweiten Weltkriegs übrig geblieben war, zeigt das Trümmermodell: Kassel in Schutt und Asche.

Seit dem Jahr 2010 war das eindrucksvolle Modell aus Pappe, Sand und Gips im Depot, weil das Stadtmuseum umgebaut wurde.

Jetzt ist das Trümmermodell, das zu den ergreifendsten und erschütterndsten Ausstellungsstücken gehört, wieder im Museum am Ständeplatz. Als Herzstück der Dauerausstellung soll es auch künftig den Besuchern die Schrecken eines Krieges anschaulich machen und zum Frieden mahnen. Das Stadtmuseum wird am 18. Juni nach langer Sanierungs-Pause wieder eröffnet.

Das in den 1950er-Jahren von dem Kasseler Modellbauer Steiner im Auftrag der Stadt geschaffene Modell zeigt die Kasseler Innenstadt im Mai 1945 nach Kriegsende und erinnert an das große Leid der Menschen. Nahezu 80 Prozent der Gebäude in der Kasseler Innenstadt lagen in Trümmern.

Der Kasseler Luftkriegs-Experte Werner Dettmar (88) hatte das Modell, das über viele Jahre in einem Abstellraum des Rathauses lagerte, 1983 im Rahmen einer Ausstellung über die Zerstörung Kassels wieder für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht.

Immer wieder hatte er in der Folgezeit bei Führungen das Modell erklärt. Die Darstellung auf Augenhöhe mache es für den Betrachter besonders eindrucksvoll und das Modell in seiner Art in Deutschland einzigartig. Dettmar spricht von einer modellbauerischen Meisterleistung. Die zerstörten Gebäude seien authentisch nachgebaut, wie der Vergleich mit Luftaufnahmen der Alliierten beweise.

Der Verein der Freunde des Stadtmuseums hat in mehreren Jahren 40.000 Euro Spenden gesammelt, um das künftige Herzstück des Museums gründlich überarbeiten zu lassen.

Wochenlange Arbeit 

Der Kasseler Modellbau-Experte und Restaurator Jan Hendrik Neumann hat in wochenlanger Arbeit die zahllosen weißen „Blitzer“ im Gipsmodell mit Farbe nachbearbeitet. Das Modell wurde tiefergelegt, damit auch Kinder einen besseren Überblick bekommen und steht im zweiten Stock des Museums in einem eigenen Raum. Dort wird künftig eine neue Spezialbeleuchtung für eine eindrucksvolle Präsentation sorgen. „Die Beleuchtung ist entscheidend“, sagt Museumschef Dr. Kai Füldner.

Medienstationen, Ton und Film am annähernd 14 Quadratmeter großen Trümmermodell sollen den Besuchern des Museums künftig die notwendigen Erklärungen liefern. Für die Freunde des Stadtmuseums sei das das Trümmermodell eine Herzensangelegenheit, sagt Vorsitzende Gabriela Wolff-Eichel. Deshalb bittet der Verein um weitere Spenden.

Spendenkonto: Kasseler Sparkasse, Freunde des Stadtmuseums Kassel e.V., IBAN: DE33 5205 0353 0000 0001 23, Kennwort: Trümmermodell

Archivvideos: Flüge über das zerbombte Kassel

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