Ernst August sollte als Warnung dienen

Der Kassel-Wochen-Rückblick: Über Pokémons, Ehrenamtliche, Dreck und Ballonfahrer

Elisabeth Wenzel (81) und ihr Mann Wilfried (89) aus Lohfelden

Kassel. Vor uns liegt ein extra langes Wochenende mit einem Feiertag obendrauf. Doch was liegt hinter uns?

Eine Woche, die sich nicht entscheiden konnte, ob sie schon Herbst oder doch noch Spätsommer sein wollte – mit lauen Abenden im Biergarten und Kastanien, die aufs Autodach dotzen, wenn die Ampel mal wieder rot ist.

In diesem Artikel wollen wir mal schauen, was passiert ist, was uns in Kassel und Umgebung aufgefallen ist – positiv wie negativ. Wir beleuchten auf dieser Seite noch einmal die großen und die kleinen Sachen, berichten von dem, was wir aufgeschnappt haben, und fragen mitunter, was aus der einen oder anderen Geschichte geworden ist.

Tops und Flops der Woche

Mutige Taxifahrer, dummer Pinkler

Daumen hoch oder Daumen runter – das sind die Tops und Flops der Woche. Was war gut, was schlecht in den letzten Tagen: Das soll jetzt jeden Samstag beleuchtet werden – mal ernsthaft und mal augenzwinkernd.

TOP

Taxifahrer: Was die beiden Taxifahrer da mitten in der Nacht in der Tankstelle an der Leipziger Straße unternahmen, zeugt von Einsatz, Mut und Hilfsbereitschaft. Als sie während einer Pause um 4.45 Uhr mitbekamen, dass da ein böser Bube die Tankstelle überfallen wollte, schauten sie nicht weg, sondern griffen beherzt ein: Ein Taxifahrer rang den Räuber nieder, der andere half dem Kollegen schließlich, den Mann bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten. Prima gemacht, liebe Taxifahrer.

FLOP

Wildpinkler: Spätestens seit Ernst August von Hannover und seiner Pinkelattacke gegen den türkischen Pavillon bei der Expo 2000 wissen wir, dass Mann sich nicht überall erleichtern sollte, wo es womöglich dringlich erscheint. Könnte blöd enden – vor allem, wenn die Polizei einen mit Haftbefehl sucht. Das merkte auch ein 29-Jähriger am IC-Bahnhof. Weil er wild pinkelte, kontrollierte ihn die Polizei, und siehe da: Der Mann wurde gesucht und gleich verhaftet.

Glückwunsch der Woche

An alle im Ehrenamt

Oft wird ja über sie gemeckert, über die Stadtverordneten und Ehrenamtlichen. Nach dem Motto: Die labern sowieso nur rum, entscheiden nie das Richtige und haben sonst wohl nichts zu tun.

Heute wollen wir vor ihnen mal den Hut ziehen. Auch wir wollen den 45 Kommunalpolitikern, die in dieser Woche von der Stadt geehrt wurden, ganz herzlich gratulieren – und auch mal Danke sagen.

Danke für die Mühe, sich für Kassel und seine Bürger zu engagieren, Danke für den Durchhaltewillen, dies in langen Sitzungen zu machen, während andere in der Kneipe hocken, spazieren gehen oder einfach gar nichts tun - außer vielleicht fernsehgucken.

Und wir sagen vor allem Danke dafür, dass diese Menschen das alles tun, ohne auf irgendwelche großartigen Entschädigungen zu hoffen – es sind eben Ehrenamtliche. Was sie wollen, ist einfach nur eines: Dass es uns Bürgern ein bisschen besser geht in der Stadt und alles funktioniert.

Am Rande der Woche

Kurz mal in die USA

Der sehr anständige Praktikant machte kürzlich das, was mittlerweile fast alle Praktikanten tun: Sie holen nach dem Mittagessen das Handy heraus. Es ist für sie wohl das, was der Kaffee danach für die Erwachsenen ist: eine sehr individuelle Art, das Beisammensein abzuschließen.

Tritt nicht nur in Kassel auf: Pokémon Dragoran.

Der Praktikant also betätigte sich an seinem Handy, und ein Blick darauf ließ keine Zweifel aufkommen, was er spielte: Pokémon Go. Er redete dann über seine Leidenschaft und erzählte, dass er Pokémons am liebsten in Amerika fange. Das ließ aufhorchen, weil wir zum einen dachten, die Pokémon-Hochburg sei der Platz vor der Elisabethkirche, und zum anderen ein Praktikant ja erst mal nach Amerika kommen muss.

Das sei kein Problem, sagte der Praktikant. Er habe da eine spezielle Software, die das GPS auf seinem Handy manipulieren und ihn in die USA switchen könne. Dann zeigte er uns, wie er am Strand von Santa Monica Pokémons jagte.

Da waren wir ziemlich baff und auch ein bisschen neidisch. Mal kurz in der Mittagspause nach Santa Monica – das wäre nicht das Schlechteste. Dafür würden wir sogar den Kaffee danach stehen lassen.

Leserbrief der Woche

Das Pflaster ist sauer

Wir berichteten über das Problem, dass das neue Pflaster in der Königsstraße schon verdreckt ist. Jetzt erreichte uns ein Brief des Betroffenen:

Schon ganz schön dreckig: Das Pflaster in der Königsstraße.

Ich will mich mal zu Wort melden. Dass ich getreten werde, bin ich ja gewohnt. Das ist normal, gehört zu meinem Job. Aber hier in Kassel? Da werde ich angespuckt, besudelt, mit Essensresten beworfen. Pfui Deibel.

Dabei hatte ich mich so gefreut: Schicke Lage, hatte ich gehört. In die Fußgängerzone kommst du. Tolle Läden. Publikum, das sich benehmen kann. Die Leute, dachte ich, rennen nicht einfach so über dich hinweg, sondern schreiten. Oder besser: schweben.

Und jetzt? Mein jungfräuliches, fast weißes Kleid ist verdorben. Hinüber. Ob das die Männer von der Stadtreinigung wieder hinkriegen? Vielleicht hätten die mich woanders hinbringen sollen. Wo man sich benehmen kann.

Pflaster, Königsstraße, Kassel

Nachgefragt

Herkules im Licht

Elisabeth Wenzel (81) und ihr Mann Wilfried (89) aus Lohfelden erhielten ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk: eine Fahrt mit dem Heißluftballon. Wir berichteten am Montag darüber. Heute fragen wir nach.

Herr Wenzel, wie hat es Ihnen gefallen?

Wenzel: Diese Fahrt war ein tolles Erlebnis. Am besten hat mir diese Ruhe dort oben gefallen. Ein Bild bleibt mir besonders in Erinnerung: Als wir Richtung Bergpark gefahren sind, da war erst ein Nebelstreifen zu sehen. Der tat sich auf, und der Herkules war in vollem Licht zu sehen.

Kommentare

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