Blick in die Stadtteile

Kassel in Zahlen und Grafiken: Alte im Westen, junge im Osten

Kassel. Einmal jährlich veröffentlicht die Stadt Kassel Zahlen zum Stadtgebiet, der Bevölkerung, ihrer Herkunft und ihrem Freizeitverhalten. Wir bilden hier einige der Zahlen ab.

Mit dem Aufschwung ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Kassel gestiegen: Seit 2010 gab es einen Anstieg von elf Prozent auf 66.469. Aus der neuen Jahresstatistik 2014 der Stadt geht auch hervor, wo diese Menschen wohnen: Die meisten Berufstätigen, die in die Sozialsysteme einzahlen, leben im Vorderen Westen und im Stadtteil Mitte. Dort liegt deren Anteil an der Bevölkerung bei je 40 Prozent. Die geringsten Anteile mit unter 30 Prozent gibt es in der Nordstadt, Brasselsberg und Bad Wilhelmshöhe.

Diese und weitere Zahlen können Sie unserer Karte entnehmen. Sie zeigt die Stadtteile farblich sortiert nach der Höhe des Anteils der Berufstätigen. Wenn Sie auf einen Stadtteil klicken (mobil: tippen), erfahren Sie weitere Zahlen dazu. Klicken Sie auf das Feld links oben, um die Karte im Vollbildmodus zu betrachten. Zum Zoomen scrollen Sie mit dem Mausrad. Stichtag für die Zahlenerhebung war der 31. Dezember 2014.

Auf den ersten Blick verwundert es, dass die Wohlstandsviertel Bad Wilhelmshöhe und Brasselsberg mit der Nordstadt eine niedrige Arbeitnehmerrate gemein haben. Doch die Gründe dafür sind unterschiedlich. Auch dafür liefert die jetzt veröffentlichte Statistik Erklärungen.

Während die Nordstadt mit 19,7 Prozent weiterhin die höchste Arbeitslosenquote hat und dort die meisten Hartz-IV-Familien wohnen, spielt am Brasselsberg und in Wilhelmshöhe die Altersstruktur eine Rolle. Ein großer Teil der dort lebenden Menschen ist bereits Rentner oder Pensionär. In Brasselsberg liegt das Durchschnittsalter der Bewohner bei knapp 50 Jahren, in Wilhelmshöhe sind es 47 Jahre. Zum Vergleich: Der Nordstädter ist im Schnitt 36 Jahre alt. Für die gesamte Stadt gilt, dass die Menschen in den westlichen Stadtteilen deutlich älter als die im Osten sind. 

Ebenfalls nicht unter die sozialversicherten Beschäftigten fallen Beamte und Selbstständige. Auch dies beeinflusst den niedrigen Anteil in Brasselsberg und Wilhelmshöhe.

Die Zahlen im Einzelnen: Bevölkerung

Kassel wächst: Die Bevölkerung der Stadt ist seit 2010 um gut zwei Prozent von 193 100 auf 197 100 Einwohner (Stand: Ende 2014) gestiegen. Für die Zukunft wird ein Anstieg erwartet, bevor anschließend wieder ein Rückgang kommt:

Mit 15 800 Menschen ist der Vordere Westen der bevölkerungsreichste Stadtteil Kassels – gefolgt von Nord-Holland mit 15 200 Einwohnern. Die wenigsten Kasseler leben in Nordshausen, wo 2044 Menschen zu Hause sind (siehe Karte oben).

Mit 51,4 Prozent sind die Frauen in der Stadt leicht in der Mehrzahl. Der Altersdurchschnitt der Kasseler liegt bei 42,9 Jahren. Die Altersgruppen verteilen sich wie folgt:

Die jüngsten Menschen leben in Nord-Holland (36 Jahre im Schnitt), die ältesten in Brasselsberg (48,5). Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die älteren Bewohner eher in den westlichen Stadtteilen leben, die jüngeren eher in den östlichen.

Leben & Tod

Die Kasseler kriegen wieder mehr Kinder: Wurden 2010 noch 1762 Kinder geboren, waren es 2014 schon 1853. Gleichzeitig starben aber zuletzt jährlich zwischen 2000 und 2100 Kasseler.

Zuzug

Weil trotz der negativen Geburten-Sterbe-Bilanz immer mehr Menschen nach Kassel ziehen, muss die Bevölkerung dichter zusammenrücken. So stieg die Haushaltsdichte von 973 Haushalten pro Quadratkilometer (2010) auf 997 Haushalte pro Quadratkilometer (2014).

Vergangenes Jahr zogen 15.250 Menschen nach Kassel, aber nur 14 558 verließen die Stadt wieder. Auch innerhalb Kassels gibt es Bewegung: Zuletzt waren es jährlich etwa 15 000 Umzüge innerhalb der Stadtgrenze.

Haushalte

Die 197.100 Kasseler verteilen sich auf 106.459 Haushalte. Die durchschnittliche Haushaltsgröße liegt bei 1,85 Personen. Der häufigste Haushaltstyp ist der Einpersonenhaushalt (54.653). Die größten Familien leben in Waldau (im Schnitt 2,3 Personen pro Haushalt), die kleinsten in Stadtmitte (1,5 Personen).

Wohnen

In Kassel gibt es 30 729 Wohnhäuser, 700 mehr als vor vier Jahren. Die Häuser bieten 104 513 Wohnungen, die meisten davon haben drei und vier Zimmer.

Herkunft

In Kassel leben Menschen aus 151 Nationen zusammen: 14,3 Prozent der Bewohner sind Ausländer, etwa 35 Prozent haben einen Migrationshintergrund (deutscher Pass, ausländische Wurzeln).

Die meisten Ausländer leben in der Nordstadt, wo 36,8 Prozent keinen deutschen Pass haben. Mit 26 Prozent sind die Türken mit Abstand die größte Gruppe unter den Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in der Stadt. Die geringste Anzahl an Ausländern kommt aus Australien und Neuseeland (27 Menschen).

Die meisten Einwohner mit Migrationshintergrund leben in Waldau: 62,7 Prozent der Menschen dort sind eingewandert oder haben Vorfahren, die eingewandert sind. In Brasselsberg wohnen die wenigsten Menschen mit Migrationshintergrund (17,9 Prozent; siehe Karte oben).

Arbeit / Wirtschaft

66.392 Kasseler gehen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. 2010 waren es 6500 weniger. Der größte Anteil an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lebt im Vorderen Westen (40,4 Prozent der Bewohner). Die wenigsten leben in Nord-Holland (27,5) und in Wesertor (30), aber auch in den Stadtteilen Brasselsberg (29,3) und Bad Wilhelmshöhe (29,8), wo viele Rentner leben (siehe Karte oben).

Insgesamt haben etwa 105.000 Menschen in Kassel ihren Arbeitsplatz (inklusive Einpendler). Größte Arbeitgeber sind die öffentlichen und privaten Dienstleister (33.480 Arbeitsplätze), das produzierende Gewerbe (23.656), die Branchen Handel, Gastgewerbe und Verkehr (21.646) sowie der Bereich Banken, Vermietung und Unternehmensdienstleistungen (22.714).

Verkehr

61.900 Menschen pendeln täglich in die Stadt, 22.305 Kasseler pendeln täglich aus der Stadt in andere Kommunen, um dort zu arbeiten. In der Stadt sind insgesamt 97.750 Autos zugelassen, 2010 waren es noch 92.991. Die meisten Autos gehören den Bewohnern von Harleshausen (7568). Pro 1000 Einwohner gerechnet sind aber die meisten Autos am Brasselsberg zugelassen (549 Autos auf 1000 Einwohner). Die wenigsten Autos pro 1000 Einwohner gibt es in Wesertor (188).

Tourismus

Die Zahl der Touristen lag 2014 bei 493.418. Dies war der bisher höchste Wert außerhalb eines documenta-Jahres. 1980 lag die Gästezahl noch bei etwa 220.000. Auch die Zahl der Hotelbetten steigt kontinuierlich. 2010 waren es noch 5700 Betten, 2014 bereits 6085. Im Schnitt bleiben die Touristen 1,8 Tage. Die meisten Gäste werden regelmäßig im September verzeichnet – eine Ausnahme bilden die documenta-Jahre.

Kultur

Mit 240.000 Besuchern war das Besucherzentrum am Herkules 2014 das beliebteste Touristenziel. Auf das Oktogon des Herkules sind immerhin noch 53.600 Menschen gestiegen. Im Schloss Wilhelmshöhe wurden 66 500 Besucher (inklusive Weißensteinflügel) gezählt, im Naturkundemuseum 80.000. Ebenfalls häufig besucht: Blumeninsel Siebenbergen (37.300), Löwenburg (21.300), Astronomisch-Physikalisches Kabinett in der Orangerie (30.500), Neue Galerie (22.000), Museum für Sepulkralkultur (21.000).

Ortszeit

Die Kasseler Ortszeit bleibt gegenüber der Mitteleuropäischen Zeit um 22 Minuten zurück (MEZ). Denn die wahre Zeit (Ortszeit) unterscheidet sich von Längengrad zu Längengrad um vier Minuten. Dennoch gilt in der Stadt natürlich die MEZ. Die geringste Abweichung zur MEZ gibt es in Deutschland in Görlitz.

Topografie / Fläche

Der höchste Punkt im Stadtgebiet befindet sich auf dem Hohen Gras mit 615 Metern. Die niedrigste Stelle liegt mit 132 Metern an der Fulda, ungefähr 150 Meter stromaufwärts der Schleuse Spiekershausen. Das Stadtgebiet erstreckt sich über eine Fläche von 106,8 Quadratkilometern und entspricht damit etwa 15 000 Fußballfeldern.

Ein Drittel dieser Fläche entfällt auf Gebäude und deren angrenzende Grundstücke. Ungefähr 22 Prozent des Stadtgebiets sind mit Wald bewachsen. Der Rest verteilt sich auf Landwirtschaft (15 Prozent), Straßen und Parkplätze (14 Prozent) sowie Park- und Grünanlagen (11 Prozent). Hinzu kommen kleine Anteile für Gewässer und Sonstiges.

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