Extra-Angebote für neue Schüler – Nicht genug Plätze für Ältere

34 zusätzliche Klassen für junge Flüchtlinge in Kassel

Kassel. Jede Woche kommen neue Flüchtlinge in Stadt und Kreis Kassel an, darunter auch viele Kinder und Jugendliche. Das macht sich zunehmend an den Schulen bemerkbar.

An den allgemeinbildenden Schulen in Stadt und Kreis sind bereits 22 Intensivklassen gebildet worden, in denen insgesamt 276 Schüler unterrichtet werden (davon Stadt: 159, Kreis: 117). Darunter sind neben vielen Flüchtlingen auch andere nicht-deutschsprachige Kinder. An den beruflichen Schulen gibt es zudem zwölf sogenannte Intea-Klassen mit insgesamt 190 Schülern. Diese sind an Flüchtlinge über 16 Jahren und damit jenseits der gesetzlichen Schulpflicht gerichtet.

„Im Moment können wir die Zahlen noch bewältigen – auch wenn die einzelnen Schulen mit der Integrationsarbeit stark gefordert sind“, sagt Kassels Jugenddezernentin Anne Janz. Mittelfristig könnten die Kapazitäten an Schulen und Kindergärten durch den zusätzlichen Zulauf aber an ihre Grenzen kommen. In den Kitas sollen bereits kommendes Jahr zusätzliche Plätze geschaffen werden. Im schulischen Bereich würden Lehrkräfte, die Deutsch als Fremdsprache unterrichten, zusehends knapp.

Auch Hessens Kultusminister Alexander Lorz wies kürzlich darauf hin, dass der Großteil der Flüchtlinge noch nicht an den Schulen angekommen sei. Für Kinder in Erstaufnahme-Einrichtungen besteht noch keine Schulpflicht, erst wenn die Flüchtlinge in die Obhut der Kommunen wechseln, wird die Beschulung Thema.

Während die Aufnahme in die Grundschulen klar geregelt ist, bedarf es bei den weiterführenden Schulen einer Beratung. Auch weil die Vorbildung der Jugendlichen sehr unterschiedlich ist. Wegen der Vielzahl neu aufzunehmender Schüler – sogenannter Seiteneinsteiger – beträgt die Wartezeit beim Aufnahme- und Beratungszentrum (ABZ) des Staatlichen Schulamts derzeit bis zu zwei Wochen.

Immer mehr Flüchtlingskinder kommen in den Kindergärten und Schulen in Kassel an. Hier ein Überblick:

Kitas

91 Flüchtlingskinder besuchten Mitte November eine Kindertagesstätte in Kassel. Zum Vergleich: Ingesamt gibt es rund 10 000 Plätze in den Kasseler Kitas. Flüchtlingsfamilien, die in kommunaler Unterbringung sind (also nicht mehr in einer Erstaufnahme) haben einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. „Wir halten es für sinnvoll, wenn die Kinder so früh wie möglich kommen, denn in den Kitas lernen sie schnell Deutsch und das schwappt mit in die Familie hinein“, sagt Antje Kühn, stellvertretende Leiterin des Jugendamts. Berührungsängste zwischen den Kindern gebe es nicht. Auch die Erzieherinnen seien interkulturell geschult: „Wir haben ja schon ein buntes Kassel“, sagt Kühn. In der Regel kämen die Flüchtlingskinder erst ab dem Alter von drei Jahren in die Kita. Noch gebe es ausreichend Plätze, für das kommende Jahr sollen aber (nicht nur für Flüchtlinge) zusätzliche 125 Plätze in den Kitas geschaffen werden.

Grundschulen

In den Grundschulen sind nach Angaben der Stadt bislang 57 Flüchtlingskinder aufgenommen worden – bei über 6000 Grundschülern in Kassel eine „bislang verschwindend kleine Zahl“, so Gabriele Steinbach vom städtischen Schulverwaltungsamt. Abgesehen von der Auefeldschule, die wegen der Nähe zu zwei großen Flüchtlingsheimen besonders viele Kinder aufnimmt, handele es sich in der Regel lediglich um ein bis zwei Kinder, die in eine Klasse kämen. Die Kinder bekommen in der Regel Intensivkurse zum Deutschlernen oder werden zum Einstieg zu einer Intensivklasse zusammengefasst.

Ob sich solche Extraklassen bilden lassen, sei auch eine Frage der Räumlichkeiten. Die Stadt als Schulträger und das Staatliche Schulamt treffen sich einmal im Monat zur Absprache und um nachzusteuern, so Steinbach. Früher gab es diese Treffen einmal im Jahr.

Weiterführende Schulen

Anders als bei den Grundschulen, wo die Schule sich nach dem Wohnort richtet, besteht bei weiterführenden Schulen die Wahl. Flüchtlingsfamilien werden dabei – wie andere „Seiteneinsteiger“ aus dem Ausland – beim Aufnahme- und Beratungszentrum (ABZ) des Staatlichen Schulamts informiert. Die Vorbildung der Kinder und Jugendlichen sei sehr unterschiedlich. „Es gibt 14-Jährige, die haben noch nie eine Schule von innen gesehen und andere, die perfekt Englisch sprechen“, sagt Schuldezernentin Anne Janz.

Derzeit würden die Flüchtlinge überwiegend in Gesamtschulen aufgenommen, auch weil diese den bestmöglichen Anschluss an die Schulabschlüsse böten. Die Durchsetzung der Schulpflicht sei - anders als bei manchen Zuwanderern aus Osteuropa - kein Problem: „Die Flüchtlinge sind in aller Regel sehr erpicht darauf, dass ihre Kinder in die Schule gehen“, sagt Janz.

Über 16-Jährige

Am schwierigsten ist die Situation bei jungen Flüchtlingen, die bei ihrer Ankunft in Deutschland bereits über 16 Jahre alt sind. Für sie besteht keine Schulpflicht mehr. Für diese Gruppe gibt es sogenannte Intea-Kurse. Die Plätze sind jedoch begrenzt. Von den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Kassel haben aktuell 60 Prozent einen Schulplatz. Auch die Lehrkräfte, die Deutsch als Fremdsprache unterrichten, sind rar.

Runder Tisch

Um Fragen der Schule und Bildung für Flüchtlinge besser zu koordinieren und die Akteure zu vernetzen, hat die Stadt einen „Runden Tisch Bildung“ ins Leben gerufen. Vertreter von Schulen, Kammern, Arbeitsagentur, Sprachkurs- und Bildungsträgern kommen dafür künftig regelmäßig zusammen. (rud)

Rubriklistenbild: © dpa

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