Kasseler halfen bei Bau eines Krankenhauses im syrischen Kobane

Schauen sich die Bilder von der Zeit im nordsyrischen Kobane an: Andreas Gärtner (von links), Arne Puppel, Christoph Meyer, Tobias Rosandic und Johanna Jensen. Foto:  V. Fischer

Kassel. 48 Grad im Schatten, Verständigung nur mit Händen und Füßen und immer die Angst vor dem IS: So schildern fünf Kasseler ihre Zeit in der nordsyrischen Stadt Kobane.

Dort halfen sie vier Wochen lang als Brigadisten der Icor (Internationaler Zusammenschluss von revolutionären Parteien und Organisationen) beim Aufbau eines Krankenhauses.

Leben in Kobane

„Es war eine Zeit der Entbehrungen“, sagt der 32-jährige Arne Puppel. Zwölf Kilo habe er in Syrien abgenommen: „Es gab nur gechlortes Wasser und trockenes Brot“. Puppel kam im Juli in Kobane an, zwei Wochen nachdem der IS in der Stadt ein Massaker verübt hatte. 120 Menschen kamen ums Leben.

Doch Puppel ließ sich nicht abschrecken. Er wollte beim Wiederaufbau helfen, egal wie anstrengend es werden würde. Und das wurde es. „Im Sommer war es fürchterlich heiß und es gab kaum Bäume, die Schatten spendeten“, erzählt der 34-jährige Tobias Rosandic. Er war im Oktober in Kobane.

Grund für Engagement

Kobane liegt im autonomen kurdischen Siedlungsgebiet Rojava. Dort ist 2012 ein politisches Modell erarbeitet worden, „das für die Gegend fortschrittlicher nicht sein könnte“, erklärt Rosandic. Der Gesellschaftsvertrag von Rojava gestehe jedem Menschen das gleiche Recht zu, unabhängig von Religion, Geschlecht und Sprache. „Mit dem Gang nach Syrien wollten wir dieses demokratische System unterstützen“, erklärt Puppel. Denn nach Meinung der fünf Kasseler trage die Bundesregierung Mitschuld an dem, was in Syrien passiere.

Arbeit auf dem Bau

In Kobane arbeiteten die Brigadisten unter erschwerten Bedingungen. „Wir hatten kaum Werkzeug“, meldet sich die Jüngste in der Runde, Johanna Jensen, zu Wort. Die 27-Jährige war Mitte des Jahres von der Welle der Solidarität für die unterdrückten Kurden in Syrien mitgerissen worden.

„Mit fünf kurdischen Männern unter meiner Leitung mischte ich Lehm an und goss ihn in eine Ziegelform“, erzählt die junge Frau. Dafür hatten sie meist nur Schaufeln und Schubkarren zur Verfügung. „Oft mussten wir uns mit Händen und Füßen aushelfen.“

Lange Zeit blieb das Bauprojekt in Syrien geheim. Grund dafür waren ausgerechnet die Helfer aus Europa. „Man befürchtete Anschläge des IS“, sagt der 45-jährige Christoph Meyer. Mit den Europäern sei die Stadt für die Terrorgruppe ein verlockendes Ziel gewesen. Handys wurden von den Brigadisten kaum genutzt, wegen des verfolgbaren Datentransfers. Nur einmal die Woche gab es eine E-Mail nach Hause, erklärt der 39-jährige Andreas Gärtner.

Die Angst vor dem IS war allgegenwärtig, erzählt Rosandic. Etwas Sicherheit gaben aber Nachbarschaftswachen und der Volksverteidigungsring der kurdischen Kämpfer, darunter auch viele Frauen.

Rosandic ist glücklich, den riskanten Schritt gewagt zu haben: „Wir waren alle Laien, hatten kaum Werkzeug und haben es doch geschafft, ein modernes Krankenhaus zu bauen“. Die anderen stimmen ihm zu. Ihre Mühe sahen die Kasseler schließlich belohnt, als am 20. November das 700 Quadratmeter große Gesundheitszentrum eröffnet werden konnte.

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