Umgangsrecht für Väter, wenn Eltern getrennt sind

Kasseler Initiative hat geholfen: Jetzt darf er sein Kind wiedersehen

Hat nun wieder regelmäßig Kontakt zu seiner Tochter: Sascha Singer lebt als Vater getrennt von der Mutter. Foto: Ludwig

Kassel. Lange litt der Vater darunter, sein Kind nicht sehen zu können. Er lebt getrennt von der Mutter der gemeinsamen Tochter. Doch nun hat eine Initiative dabei geholfen, dass der 27-Jährige wieder regelmäßigen Kontakt zu seinem Kind haben kann.

Sascha Singer hat viel gelernt in den vergangenen Wochen. Aber vor allem eins: „Wenn Eltern sich streiten, sollte das nie auf dem Rücken der Kinder passieren.“ Der 27-jährige Vater lebt von der Mutter seiner anderthalbjährigen Tochter getrennt und litt lange Zeit darunter, sein Kind nicht zu sehen. Die Mutter hatte die Sorge, er könne sich nicht richtig um den Nachwuchs kümmern. Dank der Initiative Begleiteter Umgang (IBU) hat der Kälte- und Klimatechniker wieder regelmäßig Kontakt zur Tochter.

Bei insgesamt fünf Treffen waren Mitarbeiter der IBU mit dabei, wenn Singer seine Tochter sah. „Die haben geguckt, ob ich wickeln kann, wie es mit Essen zubereiten und füttern klappt. Wichtig war für die Mitarbeiter auch zu sehen, dass ich meine Tochter beruhigen kann“, erzählt der 27-jährige Kasseler.

Im Mittelpunkt steht das Kind

Zudem gab es vier Gespräche bei der IBU, bei der beide Elternteile ihre Sicht der Dinge darstellen konnten. „Die haben uns gezeigt, dass es nicht um uns geht, sondern um die Kleine. Für die Kleine ist es besser, wenn beide Parteien sich grün sind“, erzählt Singer. Gegenseitiges Vertrauen der Eltern sei die Basis.

„Ich will nicht, dass irgendwann meine 16-jährige Tochter vor der Tür steht und mich fragt, warum ich mich nie gekümmert habe.“

In den Wochen zuvor hatten sich die Eltern nicht einigen können. Auch ein Gericht war bereits mit ihrem Fall befasst. Das Jugendamt brachte schließlich die IBU ins Spiel.

Singer ist durchaus selbstkritisch, was sein früheres Handeln angeht: „Ich habe erkannt, dass ich mit Geduld und Ruhe herangehen muss, wenn ich meine Tochter sehen will und nicht mit dieser typisch männlichen Art.“

Nach der Begleitung durch die IBU haben sich die Eltern darauf verständigt, dass der 27-Jährige seine Tochter jedes zweite Wochenende sehen kann. „Wir haben eigentlich geteiltes Sorgerecht, aber das steht erstmal nur auf dem Papier. Ich würde mir wünschen, dass die Kleine irgendwann über Nacht bei mir bleiben kann“, sagt Singer. Er wolle gern auch ein bisschen mehr Alltag mit seinem Kind erleben – das gemeinsame Aufstehen und Frühstücken und gern auch die ein oder andere Quengelei. Bislang seien die Besuche so kurz, dass er möglichst viel unternehme mit der Tochter.

Singer ist froh, dass er von der IBU erfahren hat. „Ohne die Initiative wäre ich nicht an dem Punkt. Und ich will nicht, dass irgendwann meine 16-jährige Tochter vor der Tür steht und mich fragt, warum ich mich nie gekümmert habe.“ Sicher gebe es Väter, die sich nicht für ihre Kinder interessierten. Für all jene, bei denen dies anders sei, rät er, sich von der IBU helfen zu lassen. Dabei kümmert sich die Initiative nicht nur um Väter. Auch Mütter, deren Kinder beim Vater leben, können von der Einrichtung begleitet werden.

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