Etliche Immobilien sind für die freie Szene nicht nutzbar 

Ist die Kasseler Jugendkultur bald ohne Heimat?

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Die Zeiten als Kulturzentrum sind vorbei: An der Mombachstraße hatte vor wenigen Wochen das „Haus“ geschlossen. Es ist das jüngste Beispiel dafür, dass freie Kulturprojekte in Kassel heimatlos werden.

Kassel. Mit der Schließung des Kulturzentrums „Haus“ an der Mombachstraße ist kürzlich ein weiterer Ort für die freie Kultur- und Kunstszene verloren gegangen.

Insbesondere die junge Kulturszene wird zunehmend heimatlos. Mit ein Grund dafür ist der wirtschaftliche Aufschwung, mit dem auch der Immobilienmarkt in Bewegung kommt und Gebäude sowie Grundstücke für andere Nutzungen interessant werden. Hier ein Überblick über die Entwicklung:

Das Haus an der Mombachstraße 47 steht leer. Die bisherigen Nutzer – die Kulturinitiative „Haus“ – musste sich Ende März nach 23 Jahren aus dem historischen Gebäude zurückziehen, da kein neuer Mietvertrag mit dem Eigentümer zustande gekommen war. Der alte Mietvertrag war gekündigt worden, weil sich die privaten Mieter nicht mit dem Eigentümer Gunther Jordan aus Bad Hersfeld über eine Mieterhöhung sowie Auflagen einig wurden.

Jordan hat gegenüber der HNA angekündigt, er wolle nun zunächst Schäden an der Immobilie beheben. Eine kulturelle Nutzung schließt er künftig nicht kategorisch aus, allerdings werde es nun wohl zunächst eine Zwischennutzung geben. Nach Auskunft der Stadt will das Kulturamt zwischen Jordan und etwaigen Mietinteressenten vermitteln, um eine weitere kulturelle Nutzung zu ermöglichen.

Club Unten

Der Club „Unten“ im Kulturbahnhof macht Ende Juni dicht. Die Bahn hatte den Mietvertrag mit den Betreibern gekündigt. Begründet wurde dies mit Sicherheitsrisiken. In der Vergangenheit hatten Besucher des Clubs Steine sowie Flaschen auf Gäste geworfen und einen Rettungszug der Bahn beschädigt.

Obwohl sich mittlerweile eine breite Front von Unterstützern für den Erhalt des „Unten“ einsetzt, hat sich die Deutsche Bahn bislang nicht bewegt.

Kulturzentrum K19

Zieht spätestens 2018 um: Das K19 auf dem Campus der Uni Kassel soll in die Kopfbauten der alten Gottschalk-Fabrik umsiedeln.

Das studentische Kulturzentrum K19 auf dem Campus der Uni Kassel wird es in seiner jetzigen Form spätestens ab 2018 nicht mehr geben. Allerdings wird das Kulturzentrum nicht geschlossen, sondern nur verlegt. Der bisherige Ort in unmittelbarer Nähe zum Studentenwohnheim soll aus Gründen der Geräuschbelastung aufgegeben werden. Dafür werden die historischen Kopfbauten der ehemaligen Gottschalk-Fabrik saniert und den Studenten zur Verfügung gestellt. Die Finanzierung steht und die Planungen laufen. In den Kopfbauten ist das Platzangebot wesentlich größer, sodass es sich um

eine räumliche Verbesserung für das Kulturzentrum handelt.

Salzmann-Fabrik

Die Kulturfabrik Salzmann in Bettenhausen war bis zu ihrer Schließung 2012 das größte Zentrum für freie Kulturschaffende in Kassel. Wegen der Umbaupläne des Eigentümers Dennis Rossing aus Bad Hersfeld wurde die Immobilie geräumt.

Nachdem die Umbauvorhaben inzwischen bereits zum zweiten Mal geplatzt sind, ist der Verfall des Industriedenkmals programmiert.

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