Opfer sind vier Frauen

Kasseler wegen Vergewaltigung und weiterer Delikte vor Gericht

Kassel. Bei einer Freundin das Smartphone mitgehen lassen, einer anderen über tausend Euro nicht zurückgegeben, einer dritten ein hochwertiges Notebook unterschlagen und eine vierte vergewaltigt. Das sind die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, denen sich ein 25-Jähriger aus Kassel seit Montag vor dem Amtsgericht stellen muss.

Vier Frauen soll der Kellner durch verschiedenste Straftaten zu Opfern gemacht haben.

Der schlanke junge Mann mit dem modischen Kurzhaarschnitt und dem Dreitagebart schüttelte nur wortlos den Kopf auf die Frage des Richters, ob er sich zu diesen Vorwürfen äußern wolle. Auch eines seiner vielen Tattoos, die Hände, Unterarme und Hals schmücken, habe er sich für lau stechen lassen – im Bewusstsein, dass er in dem Kasseler Studio nie dafür zahlen wollte.

Selbst den Obergerichtsvollzieher, der bei dem Angeklagten das hochwertige Laptop einer Ex-Freundin zurückforderte, soll er belogen haben. So jedenfalls mutmaßte Staatsanwältin Fischer in ihrer Anklageschrift. Betrug, Diebstahl, Körperverletzung und in einem Fall Vergewaltigung wirft sie dem 25-Jährigen vor. Neun Zeugen sollen dem Gericht bei der Aufklärung helfen.

Im Mittelpunkt des ersten Verhandlungstages stand der Fall einer 20-jährigen Auszubildenden, die den jungen Mann bezichtigt, sie in der Wohnung seiner Eltern an der Hasenhecke bei einer Übernachtung gegen ihren Willen durch Androhung von Gewalt zum Geschlechtsverkehr gezwungen zu haben. Ein Vorwurf, den der Angeklagte mit verschränkten Armen, Kopfschütteln, Augenrollen und genervten Blicken zur Saaldecke wortlos, aber eindeutig, kommentierte.

Die junge Frau im Zeugenstand konnte sich vor Gericht nicht mehr entsinnen, was im Einzelnen passiert war. „Ich kann mich an nichts mehr erinnern, an gar nichts.“ Immer wieder antwortete die 20-Jährige mit diesen oder ähnlichen Worten auf die Versuche des Richters, Einzelheiten über den eigentlichen Tathergang zu erfahren. Selbst von ihren eigenen Aussagen bei der Polizei am Tag nach der mutmaßlichen Vergewaltigung wusste sie nichts mehr. Vielleicht liege das an den Medikamenten, die sie wegen der posttraumatischen Belastungsstörung als Folge der Vergewaltigung einnehme, meinte sie selbst.

Blaue Flecken am Bein

Da wurde ihre Mutter im Zeugenstand schon deutlicher: „Sie hat halt Nein gesagt und er hat sich halt genommen, was er wollte.“ Auch die Tante, der sich die junge Frau nach der Nacht im Zimmer des 25-Jährigen offenbarte, wurde als Zeugin vor Gericht gehört. Wie auch die Mutter sagte diese aus, dass die 20-Jährige bei Problemen im Elternhaus oft nicht die Wahrheit gesagt habe. Was Schule und Ausbildung angehe, habe sie „oft gelogen“. Doch die blauen Flecken am Bein ihrer Nichte habe sie mit eigenen Augen gesehen: „Ich glaube ihr.“ (and)

Fortsetzung: Mittwoch, 8. Juni, 15 Uhr, Saal D 115

Rubriklistenbild: © dpa

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